Keine Blackout-Angst
DER KOMMENTAR:
Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info, über Ängste vor dem Strom-Blackout.
Windkraft und Solarstrom gelten als unzuverlässig. Das Horrorszenario, das die Gegner der Energiewende gerne ausmalen: Wochenlange Flaute in Norddeutschland, wo die meisten Windräder stehen, und ein Himmel voller schwarzer Wolken in Bayern und Baden-Württemberg, wo die meisten Solaranlagen installiert sind. Ohne atomare und fossile Kraftwerke gehen dann die Lichter aus – zumal die Abschaltung von acht AKW die Versorgungssicherheit im deutschen Netz ohnehin strapaziert. Es fehlen rund 8000 Megawatt Grundlast-Strom. Einige Energieexperten prophezeiten: Bei extremen Witterungsverhältnissen droht in diesem Winter der Blackout.
Bisher ist er nicht eingetreten. Im Gegenteil, Deutschland exportierte in den vergangenen Tagen sogar mehr Elektrizität als sonst. Der Grund: Im Norden wurden recht kontinuierlich rund 10.000 Megawatt Windstrom eingespeist und im Süden, wo es wegen der Abschaltung von immerhin fünf AKW zu einem Engpass kommen kann, lieferte die Photovoltaik gerade während des Spitzenverbrauchs am Mittag dank der vielen Sonne bis zu 9000 Megawatt. Die vier Betreiber der Höchstspannungsnetze halten die Lage trotz des bitterkalten Wetters für stabil - zumal im Notfall "Kaltreserve"-Kraftwerke bereitstehen die dann angeworfen werden könnten.
Natürlich sind andere Wetterlagen möglich, in denen Wind und Sonne nicht oder in geringerem Maße unterstützend wirken. Doch gerade die jüngsten Nachrichten von der „konventionellen" Energiefront sollten die Freunde des angeblich "guten, alten", angeblich verlässlichen Energiesystems nachdenklich machen. Von wegen garantierte Energiesicherheit: Der russische Konzern Gazprom hat wegen des Frosts Lieferprobleme; in Deutschland kamen letzte Woche gut ein Drittel weniger Erdgas an als gewöhnlich - was nur deswegen keiner merkte, weil die deutschen Reserven das ausgleichen konnten. Und auch im Atomstrom-Mekka Frankreich, wo viele Haushalte mit Strom heizen, wird nun die Energie knapp. Dort hat der Frost den Verbrauch stark ansteigen lassen. Schon in früheren Jahren half Deutschland hier oft mit Stromexporten aus.
Das Fazit daraus: Der Angstmache mit dem Blackout sollte man keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Sie lenkt nur von der Aufgabe ab, den Kraftwerkspark und die Stromnetze wirklich zukunftsfähig zu machen.
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