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Der Kampf um die Energiewende

DER KOMMENTAR:

Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info, über Rösler contra Röttgen

Der Showdown ist verschoben. Rösler contra Röttgen – die beiden Kämpfer ums Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) haben einen Monat mehr Zeit bekommen, um ihren Streit über die Solarförderung auszuschießen. Leider ist damit nicht sichergestellt, dass das EEG selbst die ministeriellen Kampfhandlungen einigermaßen intakt übersteht.

Eigentlich sollte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) in dieser Woche Pläne für EEG-Korrekturen vorlegen, nachdem der Solarzubau mit 7.500 Megawatt im letzten Jahr wieder einen neuen Rekord erreicht hatte. Doch nicht er, sondern der gar nicht zuständige Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) legte einen fertigen Gesetzesentwurf vor. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Rösler, der sich längst als EEG-Gegner geoutet hat, versucht, kurzen Prozess zu machen. Er will den Zubau bei 1.000 Megawatt rasieren, den Exitus der deutschen Solarbranche in Kauf nehmend.


Photovoltaik nur noch in China? Ein Solardach in Shenzhen. (Foto: DuPont)

Natürlich wird Röslers Hau-Ruck-Gesetz so nicht kommen. Doch Röttgen hat sich ziemlich in die Defensive manövriert. Jüngst stellte er ein Modell vor, mit dem die Photovoltaik-Branche recht gut leben könnte. Die Solarumlage soll danach monatlich angepasst werden statt halbjährlich, um künftig Torschluss-Verkäufe wie den im letzten Dezember zu verhindern, als mit 3.000 MW soviel Anlagen montiert wurden wie nie zuvor. Doch es war sofort klar, dass damit die von Schwarz-Gelb geplante Senkung des Zubaus auf maximal 3.500 Megawatt nicht zu erreichen ist. Er hätte klar stellen müssen, dass auch die Förderhöhe sich im Sinne des "atmenden Deckels" nach unten anpassen muss, wenn zu viele Anlagen auf die Dächer geschraubt werden. Dass er das nicht getan hat, mobilisierte nicht nur in der FDP, sondern auch in der Union die Gegner der beschleunigten Energiewende, die nach dem Fukushima- und Atomausstiegs-Schock nun wieder politisch aufdrehen. Röttgen lasse "Exzesse" zu, wetterte etwa der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach.

Am Ende könnten nun so starke Förderkürzungen beschlossen werden, dass sie die Solarwirtschaft doch wieder bedrohen. Es ist schließlich egal, ob kaum noch Solaranlagen verkauft werden, weil es einen 1.000 Megawatt-Deckel gibt oder weil sie sich nicht mehr lohnen. Beides wäre gleich fatal – es würde Entwicklung der Photovoltaik zu einer auch preislich konkurrenzfähigen Energieform abwürgen. Bei einem moderaten Kurs könnte sich der Solarstrom schon in wenigen Jahren ohne Förderung im Markt behaupten.

Wer das hintertreibt, weil ihm die ganze Richtung der Energiewende nicht passt und er das bedrohte Oligopol der Großkonzerne im Strommarkt konservieren möchte, sollte das öffentlich sagen. Dann wüsste man wenigstens, was dahinter steckt. "Es ist die Auseinandersetzung darüber, ob die Energiewende zurückgedreht wird oder nicht", kommentierte der CSU-Umweltpolitiker Josef Göppel. Dem ist nichts hinzu zu fügen.

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