Votet jetzt!
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Bevor die Asse absäuft

DER KOMMENTAR:

Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info, über das Atommüllager Asse

Die Asse droht abzusaufen. Seit 2008 weiß man das, aber es passierte wenig, um die Sanierung des maroden Endlager in Gang zu bringen. Endlich aber kommt nun Bewegung in die Sache. Die Opposition von SPD und Grünen macht im Bundestag Druck, und auch die niedersächsische Regierung bequemt sich zu einer schnelleren Gangart. Endlich mal eine gute Nachricht. Denn die Zeit drängt. Die Asse droht unkontrollierbar zu werden.

Nach der SPD werden nun auch die Grünen einen Antrag im Bundestag einbringen. Darin fordern sie die Bundesregierung auf, "der Rückholung des Atommülls insgesamt eine höhere Priorität beizumessen als bislang". Die nötigen Arbeiten, um die 126.000 Atomfässer zu bergen und in einem sicheren Endlager unterzubringen, sollten nach den Regelungen zur "Gefahren-Abwehr", die es im Atomgesetz gibt, beschleunigt werden, fordern sie. Die Chancen für die Oppositionsanträge sind zwar gleich null, doch der Druck auf die zuständigen Ministerien scheint zu wirken. Das Bundesumweltministerium hat jetzt neue Gesetzesvorschläge angekündigt, und der neue Umweltminister aus Hannover, Stefan Birkner (FDP), hat zugesagt, Genehmigungen für die Vorbereitung der Sanierung schneller zur erteilen, als das bisher der Fall war.


Atommüllager Asse. (Foto: Wusel007)

Wie brisant die Lage in der Asse ist, zeigte ein internes Papier des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Die Bergwerks-Experten der Behörde warnten unlängst davor, dass die Arbeiten viel zu langsam vorangehen und der Plan, die Fässer zu bergen, ganz scheitern könnte. Am Ende bliebe dann als "Lösung" nur, die Stollen mit gesättigter Salzlauge zu verfüllen – und inständig zu hoffen, dass keine Radioaktivität aus Gebinden ins Grundwasser gelangt. Diese Variante hatte der frühere Asse-Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, vorgeschlagen und damit einen Sturm der Empörung verursacht.

Nur, und das gehört zur Wahrheit dazu: Es ist längst nicht ausgemacht, dass die Bergung, Umverpackung und neue Einlagerung wirklich machbar ist. Viele der Atomfässer sind wahrscheinlich aufgerissen, zerplatzt, verrostet. Sie ohne Strahlengefahr für die Arbeiter und Techniker zu bergen, wird schon schwierig genug werden. Außerdem gäbe es einen Wettlauf mit der Zeit. Die Asse ist nicht langfristig standsicher, und es würde mindestens acht Jahre - vielleicht aber auch deutlich länger - dauern, bis alle Fässer nach oben geschafft wären. Gut möglich, dass am Ende doch die Asse-Verfüllung kommen wird, auch wenn die Anwohner, die Politiker und die Umweltverbände etwas anders wollen.

Als nächstes muss darüber endlich Klarheit geschaffen werden. In der Asse steht ein Bohrtrupp bereit, um die erste Atom-Kammer anzubohren und den Inhalt zu analysieren. Es ist längst überfällig, dass er endlich loslegen kann. Erst danach wird man beurteilen können, wie weiter vorzugehen ist. Dass die Rückholung vermutlich deutlich mehr kostet als die Verfüllung, darf dann keine Rolle spielen. Ein Milliardengrab wird die Asse aber in jedem Fall.

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Guter Journalismus kostet

Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.

Spendenkonto

Empfänger
Klimawissen e. V.
Kontonummer
1136852100
Bankleitzahl (BLZ)
430 609 67
 
GLS Gemeinschaftsbank
IBAN
DE63 4306 0967 1136 8521 00
BIC
GENO DE M 1 GLS
 

Werbung

Dies könnte Sie auch interessieren:

Dienstag, 31. Januar 2012, 18:01 Uhr
Die gute Nachricht
Die EU-Kommission zeigt, dass ein ambitioniertes Klimaschutzziel möglich ist - aber Deutschland sträubt sich noch.
Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]
Freitag, 26. November 2010, 11:30 Uhr
Mehr Leukämie rund um Asse
Umweltministerium Niedersachsen bestätigt erhöhte Zahl von Krebsfällen rund um das Atommülllager. Frauen erkranken häufiger an Schilddrüsenkrebs [mehr...]
Mittwoch, 16. November 2011, 14:37 Uhr
Asse: Gabriel warnt vor "Ablenkungsmanöver"
 SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht in dem von der CDU geplanten Hilfsfonds für die Region um das Atommülllager Asse ein Ablenkungsmanöver [mehr...]
Freitag, 23. Dezember 2011, 13:07 Uhr
Asse: Kein Schicht im Schacht
Schreiben des Bundesamt für Strahlenschutz: "Rückholung 2012 sicherheitstechnisch nicht mehr vertretbar" [mehr...]
Mittwoch, 15. Dezember 2010, 13:02 Uhr
Castoren rollen nach Lubmin
Nur Wochen nach dem Castor-Transport von La Hague nach Gorleben sind Castoren aus Frankreich auf dem Weg ins Zwischenlager Lubmin - begleitet von Protesten. Im Atommüll-Lager Asse tritt immer mehr radioaktive Flüssigkeit aus und das AKW Biblis leckt.
Von Johanna Treblin
[mehr...]
Freitag, 15. April 2011, 10:26 Uhr
Hohe Strahlenwerte in Asse gemessen
Bundesamt für Strahlenschutz: Keine Gefährdung für Personal und Bevölkerung durch Cäsium-137 [mehr...]
Freitag, 07. Oktober 2011, 11:12 Uhr
Im nuklearen OP-Saal Asse
Ein Besuch im Bergwerk Asse: Endlich wird es Ernst mit den Sanierungsarbeiten am einstigen "Versuchs-Endlager". Der Plan: Im Drei-Schicht-Betrieb jeden Tag 85 Fässer an die Oberfläche holen und von dort in ein neu zu bauendes, 25 Hektar großes Zwischenlager bringen. Die Kosten: zwischen 2 und 4 Milliarden Euro. Es zahlt - wahrscheinlich wie immer der Steuerzahler, also wir.
Aus Wolfenbüttel Joachim Wille [mehr...]
Freitag, 17. Juni 2011, 13:23 Uhr
Mehr Plutonium in Asse als vermutet
Ein neues Gutachten des TÜV Süd erhöht bisherige Schätzung um weitere 3,24 Kilogramm Plutonium auf 31,3 Kilogramm. [mehr...]
Samstag, 11. September 2010, 13:24 Uhr
Mehr Strahlung in der Asse
gr_1878439_1Radioaktives Inventar ergab: Im ehemaligen Versuchsbergwerk wurden zehnmal so viel mittelradioaktive Materialien eingelagert, wie bislang bekannt. Arbeiten zur Rückholung der knapp 126.000 Fässer sollen noch in diesem Jahr beginnen.
Von Nick Reimer [mehr...]
Sonntag, 09. Oktober 2011, 17:52 Uhr
"Klatsche für McAllister"
Bundesumweltminister Röttgen gibt Niedersachsens Ministerpräsident McAllister deutlich zu verstehen: Gorleben wird trotz zweifelhafter Rückholbarkeit des Atommülls weiter untersucht [mehr...]
Donnerstag, 13. Oktober 2011, 11:35 Uhr
Atomisiertes Vertrauen
Die Gorleben-Gegner haben recht, wenn sie vor dem überfälligen Neubeginn der Endlagersuche eine "schonungslose Bilanz" der Lage in der nuklearen Entsorgung fordern.
Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]
Mittwoch, 13. Oktober 2010, 10:23 Uhr
Atomkraft kostet 3,4 Milliarden pro Jahr
Atomkraft hat in den vergangenen 60 Jahren 204 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln erhalten. In den kommenden Jahren kommen ohne Laufzeitverlängerung weitere 100 Milliarden Euro hinzu [mehr...]
Freitag, 04. November 2011, 12:09 Uhr
Atommüll muss unter die Erde
Kippt Gorleben? Und soll der Atommüll überhaupt unter die Erde oder nicht? Eine heiße neue Debatte. Plutonium und Co. sind aber zu gefährlich für Experimente. Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]
Mittwoch, 21. September 2011, 09:33 Uhr
Aufklären, bis die Kanzlerin kommt
gor-podiumMorgen tagt der Gorleben-Untersuchungsausschuss. Nach dem schwarz-gelben Atomausstieg fordert die Union ein schnelles Ende des parlamentarischen Verfahrens. Die Opposition streitet derweil über die richtige Strategie: Wissenschaftler verhören oder die politisch Verantwortlichen in die Zange nehmen?
Aus Berlin Felix Werdermann [mehr...]
Freitag, 08. Juli 2011, 15:27 Uhr
Bundesrat segnet Energiewende ab
Das Gesetz zur Gebäudesanierung kommt voraussichtlich in den Vermittlungsausschuss [mehr...]

Werbung

Jahrestag
Das Fukushima-Dossier

11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab.  [mehr]


Aktion des Monats

Europa ohne Atomkraft

Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr]

Zu Ihrem Vorteil

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende

Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende   Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

Klimaretter-Beichtstuhl

Erleichtern Sie sich!

Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...]

Werbung

Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache

DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13

Facebook Empfehlungen

klimaretter.info auf Twitter

klimaretter.info Newsletter

klimaretter.info Newsfeed

Hier gehts zu einer Übersicht unserer Newsfeeds


Werbung


Ressorts

Politik


EU-Kommission entlastet Industrie massiv

Ab dem kommenden Jahr dürfen die Mitgliedsstaaten großen Energieverbrauchern die Preissteigerungen für Strom abnehmen [mehr...]
Energie


Neue solare Rekorde

In Spitzenzeiten tragen Photovoltaikanlagen mittlerweile mit einer Leistung von 19.000 Megawatt zur Stromversorgung bei [mehr...]
Protest


Anti-Kohle-Camp in Schottland

Britische Klimaschützer mobilisieren gegen den Kohlebergbau in Douglas Valley [mehr...]
Wirtschaft


Offshore bietet 8.600 Jobs

Bundesregierung: Für den Technologiebereich gibt es noch keine spezifischen Aus- und Fortbildungsprogramme [mehr...]
Mobilität


Deutscher Flugverkehr drastisch angestiegen

Seit 2000 hat sich die Zahl der Flugpassagiere in Deutschland um knapp 40 Prozent erhöht [mehr...]
Forschung


"Pegasos" macht sich an die Arbeit

Luftschiff erforscht Zusammenhänge zwischen Atmosphärenchemie und Klimawandel [mehr...]
Umwelt


Total: Gasleck ist jetzt dicht

Schon nach zwölf Stunden meldet der französische Konzern den Erfolg seiner Abdichtungsmaßnahmen in der Nordsee [mehr...]
Ernährung


Klima-Fußabdruck für Rindfleisch

Die genossenschaftlich organisierte Firma Westfleisch: je Kilogramm entstehen 15,3 Kilogramm CO2-Äquivalente [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Treffer Röttgen - aber nicht versenkt

Er wollte Karriere über den Umweg der Provinz machen - und ist gescheitert. Nun fordert die Opposition seinen Rücktritt. Der aber wird nicht kommen.
Ein Kommentar von Nick Reimer
[mehr...]
Standpunkte


"KWK aus dem Schattendasein holen"

 Der Bundestag beschließt ein neues Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz: Schon wieder aber wird die dezentrale und hocheffiziente Mini-KWK-Technologie stiefmütterlich behandelt, analysiert Oliver Krischer, Sprecher der Bündnisgrünen für Energie- und Ressourceneffizienz in seinem Standpunkt. [mehr...]
Rezension


Kunst für ein richtig gutes Leben

Was ist ein "gutes Leben"? Was macht wirklich glücklich? In der Ausstellung "SurVivArt" in Berlin gehen Künstler aus verschiedenen Ländern diesen Fragen nach. Dabei stehen Projekte im Zentrum, die sich mit Klimawandel, Konsum und Gender-Rollen befassen.
Eine Rezension von Lea Wortmann
[mehr...]
Kolumnen

nick3
930 Euro für Angela Merkel

Mehr Geld für die Kanzlerin ist gut und richtig. Jetzt sollten als nächstes die Bezüge der Abgeordneten angehoben werden! Vielleicht hilft das ja, die Qualität der angebotenen Politik zu verbessern. [mehr...]
Überraschung der Woche


Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung

Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]