Frackingsausen
DER KOMMENTAR:
Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info, über Proteste gegen Fracking in Niedersachsen und die Position der Landesregierung.
Eigentlich keine schlechte Idee: Erdgas aus heimischen Quellen fördern, statt von Importen – etwa aus Russland – abhängig zu sein. Gebraucht wird der relativ klimafreundliche fossile Energieträger ja für die Energiewende, um in effizienten Kraftwerken dann Elektrizität zu liefern, wenn Wind oder Sonne gerade zu wenig zu geben haben. Doch die „Fracking“-Methode, mit der unter anderem der US-Energiekonzern Exxon Mobil das Erdgas aus dem Boden herausholen will, trifft bei den Anwohnern zu Recht auf Kritik – die möglichen Gefahren sind nicht geklärt.
In Niedersachsen gingen jetzt 700 Bürger auf die Straße, um zu protestieren. Sie befürchten die Verseuchung des Grundwassers mit zum Teil krebserregenden Stoffen und Erdbeben. Zwar sollen in der betroffenen Region bei Hannover erst Probebohrungen stattfinden, für die Exxon und das französische Energieunternehmen GDF Suez die Genehmigungen haben. Trotzdem ist es gut, wenn auf diesem Weg Öffentlichkeit hergestellt wird. Denn das Fracking darf nicht eingeführt werden, solange Zweifel an seiner Unbedenklichkeit bestehen. Die Technologie braucht aufwendige Bohrungen, es werden Sand, riesige Wassermengen und zum Teil hochgiftige Chemikalien eingesetzt. Aus den USA, wo Fracking bereits seit Jahren eingesetzt wird, wurden hanebüchene Fälle gemeldet: Nach „Fracs“ trat sogar Gas statt Wasser aus Wasserleitungen aus. Zudem wurde Benzol in die Umwelt freigesetzt.

In der Nähe von Hannover hat sich eine Bürgerinitiative gegen das Fracking gegründet. (Foto: IG Neustadt am Rübenberge gegen Fracking)
In Nordrhein-Westfalen, wo wegen großer Vorkommen an „unkonventionellem“ Gas bereits eine Art Goldgräberstimmung entstanden war, hat die rot-grüne Landesregierung 2011 erst einmal die Notbremse gezogen. Sie lässt ein Gutachten über die Gefahren erstellen, das Mitte 2012 fertig sein soll. Und Exxon hat in NRW immerhin die Bitte der Regierung akzeptiert, auf Probebohrungen in der potentiellen „Fracking“-Region im Münsterland vorerst zu verzichten, bis die Studie vorliegt. Auch hat Düsseldorf das zuständigen Regierungspräsidium angewiesen, bis dahin auch keine Probebohrungen zu genehmigen.
Die niedersächsische Landesregierung täte gut daran, sich an dieser Linie zu orientieren – und nicht einfach zu behaupten, eine Ausweitung des Fracking sei „ungefährlich“, zumal die Methode in dem Bundesland bereits seit Jahren eingesetzt werde. Auch Hannover sollte zumindest einen Bohrstopp durchsetzen, bis das von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) zu der Problematik in Auftrag gegebene Gutachten fertig ist. Röttgen hat als NRW-Landesvorsitzender erfahren müssen, wie heftig die Proteste gegen die Fracking-Projekte sein können. In Niedersachsen muss man das offenbar noch lernen.
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