Der grüne Himmel
DER KOMMENTAR:
Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info, über die Agrosprit-Tests der Lufthansa
"Am Himmel wird es grün." So vielversprechend können Überschriften sein. Die Lufthansa hat ihren Test mit Bio-Kerosin abgeschlossen. Darum geht es in dem Artikel, der diesen Titel trägt. Einmal abgesehen davon, dass den meisten Menschen ein blauer Himmel sicher lieber ist als ein grüner – die Botschaft, die so transportiert wird, ist gewaltig übertrieben.
Nicht einmal die Lufthansa würde so weit gehen. Denn selbst, wenn der biosynthetische Treibstoff fürs Flugzeug so "grün" ist, wie sie meint, wäre es noch ein sehr langer Weg, bis ein nennenswerter Teil des Luftverkehrs damit abgewickelt werden könnte. Bisher gibt es das "Bio-Kerosin" nur in vergleichsweise winzigen Mengen. Man braucht spezielle Anlagen, um ihn herzustellen, und die gibt es, anders als beim Biodiesel oder Biosprit für den Straßenverkehr, erst im Versuchsmaßstab. Erst wenn genügend Raffinerien in Betrieb sind, könne auch "eine gewisse Menge Biokraftstoffe" in den Jets eingesetzt werden, formulieren die Lufthansa-Experten betont vorsichtig. Und: "Es muss sich natürlich von den Kosten her decken". Folgerichtig beendete die Airline ihren Versuch mit dem "grünen" Kerosin nach 1187 Flügen auf der Strecke Hamburg – Frankfurt und einem Transatlantik-Flug auch wieder und fliegt nun wie vorher komplett konventionell.
Biosprit macht noch keinen grünen Flieger. (Foto: Wikimedia Commons/Heidas)
Die Lufthansa lobt den Sprit, er er habe sich als "alltagstauglich" erwiesen, und die Treibhausgas-Bilanz sei positiv. Er spare gegenüber Normalkerosin 50 Prozent Kohlendioxid ein, heißt es bei der Airline. Solche Bilanzen sind freilich problematisch. Sie mögen für den Test-Sprit stimmen. Doch wenn große Mengen Biomasse für Treibstoffe benötigt werden, drohen sie sogar negativ zu werden. Denn es spielt eine große Rolle, woher die Rohstoffe für den Biotreibstoff stammen. Wird für den Anbau zum Beispiel in Entwicklungsländern Wälder gerodet, heizt er indirekt den Treibhauseffekt sogar noch an. Bio-Kerosin ist es dann schon, aber kein "Öko"-Kerosin.
Die Lufthansa verspricht, nur dann dauerhaft in den Alternativ-Treibstoff einzusteigen, wenn genügend öko-zertifizierte Mengen vorhanden sind. Das genau dürfte das Problem werden. Angesichts des sich zuspitzenden Konkurrenz um Äckerböden – Stichwort: Tank oder Teller – werden die benötigten gigantischen Mengen kaum in dieser Qualität zu bekommen sein.
Mit Biomasse muss, wie mit jeder Energie, effizient umgegangen werden. Grundsätzlich ist es sinnvoller, sie statt für Sprit direkt zum Heizen von Gebäuden zu benutzen. Dabei fällt eine technische Umwandlungsstufe weg, die bis zu 50 Prozent des Energiegehalts des Rohstoffs schluckt, und die Kohlendioxid-Bilanz ist deutlich besser. Also: Lieber Pellets in der Heizung als Bio-Kerosin in der Turbine. Fazit: Allzuviel Hoffnung, künftig dank Bio-Kerosin mit gutem Gewissen zum Shoppen nach New York fliegen zu können, sollte man sich deswegen nicht machen.
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