Demokratie ist auch keine Lösung
DER KOMMENTAR:
Nick Reimer, Chefredakteur von klimaretter.info, über die Reaktionen auf das Ergebnis der Weltklimakonferenz
Nach der Sklavenhaltergesellschaft, dem Feudalismus oder auch dem "real existentierenden Sozialismus" hat der UN-Klimagipfel von Durban den möglicherweise nächsten großen Irrtum der Menschheit entlarvt: die Demokratie. Nie ist mehr Treibhausgas in die Atmosphäre geblasen worden als im vergangenen Jahr, nie gab es mehr extreme Wetterereignisse, mehr Tote, die den Folgen der Erderwärmung zugerechnet werden. Doch die Delegierten verhandelten auf der Klimakonferenz zwei Wochen lang, ob sie Verhandlungen darüber beginnen sollen, wie das Problem zu lösen sei.
Dabei ist das Ergebnis von Durban aus dem Binnenblick der Klimadiplomatie durchaus ein Erfolg: Ab sofort kann ein Vertrag ausgehandelt werden, der ab 2015 auch die drei größten Atmosphärenverschmutzer zu Treibhausgas-Reduktionen zwingt: China, die USA und Indien. Ein Erfolg der Demokratie: In endlosen zähen Verhandlungsrunden hat die Koalition der Willigen den Bremsern Zugeständnisse abgetrotzt.
Mitgewirkt an diesem Erfolg hat die Zivilgesellschaft. Unzählige Umwelt- oder Entwicklungsorganisationen haben die Verhandlungen mit Sachverstand und Argumenten beeinflusst. Klimakonferenzen sind der demonkratischste Prozess der Welt, die USA haben das selbe Stimmengewicht wie Puerto Rico, die Zivilgesellschaft dasselbe Gewicht wie die Weltbank.
Allerdings ist der Erfolg von Durban – ein neues Verhandlungsmandat - im Lichte des Problems in etwa so groß wie ein Fußball verglichen mit der Erdkugel. Die Wissenschaft sagt, dass spätestens im Jahr 2020 die Emissionen drastisch sinken müssen, wenn sich die Erderwärmung nicht verselbständigen soll. Das hängt mit so genannten Kippelementen zusammen: Ab einer Globalerwärmung von zwei Grad Celsius steigt die Gefahr drastisch, dass beispielsweise der Permafrostboden Sibiriens und Kanadas auftaut, unter dem Millionen von Milliarden Kubikmetern Methan gefangen sind. Methan ist 22 Mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid.
Statt also im Angesicht der Gefahr zu handeln, beschloss die Klimakonferenz demokratisch einen demokratischen Prozess: Bis 2015 wird verhandelt. Bilanziert man die Erfolge der bisherigen Klimaverhandlungen, darf bezweifelt werden, ob dann tatsächlich der weltweite Klimaschutz beginnt.
Es scheint, als ließe sich das Klimaproblem demokratisch nicht lösen.
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