Kyoto-Killer Kanada
DER KOMMENTAR:
Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info, über den Ausstieg Kanadas aus dem Kyoto-Protokoll.
Ein Schock mit Ankündigung: Kanada steigt aus dem Kyoto-Protokoll aus. Seit einiger Zeit war über diesen Schritt Ottawas spekuliert worden. Dass er gerade jetzt kommt, müsste der Regierung von Stephen Harper eigentlich hoch peinlich sein. Gerade einen Tag ist der Weltklima-Gipfel in Durban zu Ende, da gibt Kanada das ganze Kyoto-Regime dem Spott preis. Motto: Wir haben zwar einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag unterschrieben und ratifiziert, aber das war gar nicht ernst gemeint. April, April im Dezember.
Noch in Durban stritt die kanadische Delegation ab, diesen prekärem Schritt wirklich zu zu wollen. Man wolle nur bei der geplanten weiteren Verpflichtungsperiode mit schärferen Reduktionszielen nicht mitmachen, hieß es. Es muss den Klimaverhandlern also doch ziemlich mulmig bei den Komplett-Ausstiegsplänen gewesen sein. Doch Ottawa hatte in Wirklichkeit längst entschieden. Raus aus Kyoto, und zwar komplett.

Ein schmutziges geschäft: Teersand-Abbau in Saskatchewan. (Foto: Jiri Rezac / Greenpeace)
Der Grund liegt auf der Hand: Kanada würde, wenn 2012 die erste Verpflichtungsperiode abgerechnet wird, sein Kyoto-Ziel grandios verfehlen. Statt der unterschriebenen Treibhausgas-Minderung um sechs Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 käme ein Plus von deutlich über 30 Prozent heraus. Das wäre für Kanada nicht nur ein gewaltiger Imageschaden, sondern könnte auch Strafzahlungen oder zusätzliche Kohlendioxid-Minderungspflichten in der Zukunft bedeuten. Die mitleiderheischende Argumentation Harpers, Kanada müsse entweder seine ganzen Autos von der Straße nehmen oder die Landschaft stilllegen, um Kyoto zu erfüllen, liegt natürlich daneben. Denn die Hauptursache des Klimadebakels liegt in Kanadas Energiepolitik. Die Ölindustrie nutzt als Rohstoff vermehrt die Teersande, extreme Klimakiller, und in den anderen Sektoren schöpfte Ottawa die Einsparpotentiale bei weitem nicht aus.
Wenn Harper nun das neue, ab 2020 geplante globale Klimaprotokoll so vollmundig unterstützt, ahnt man, wie wenig ernsthaft er das meint. Da ist, so zynisch es klingt, der Weg Washingtons fast sympathisch: Die USA haben Kyoto schon in die Tonne getreten, als sei es noch gar nicht ratifiziert hatten. Da wusste man wenigstens, woran man war.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 18 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Eine Studie für die EU-Kommission belegt die besondere Klimaschädlichkeit der Ölgewinnung aus Teersanden. Die EU will jedoch ihre Handelsbeziehungen zu Kanada, dem weltgrößten Exporteur von Teersanden, nicht aufs Spiel setzen.
Kanadische Greenpeace-Aktivisten besetzen Enbridge Bürogebäude. Der Konzern will eine 1.170 Kilometer lange Ölsand-Pipeline von Alberta an die Küste von British Columbia bauen
Robin Wood protestiert vor der kanadischen Botschaft gegen die Northern Gateway-Teersandpipeline
PetroChina kauft restliche Anteile des MacKay-Ölfelds
Bei einer Abstimmung im zuständigen Ausschuss enthielten sich die meisten Mitglieder
"Operation Green Rights" richtet sich gegen den Abbau von Teersanden in Kanada
Umweltorganisation: In nur zwei Jahren sollen sich kanadische Regierungsvertreter mehr als 100 mal mit europäischen Amtskollegen getroffen haben
Kanada steigt aus dem Kyoto-Protokoll aus. Ein Klimaschutzabkommen ohne China und die USA mache keinen Sinn, so die kanadische Regierung. Das Land hatte schon in der Vergangenheit seine im Kyoto-Protokoll versprochenen Klimaschutzziele nicht eingehalten.
Premierminister Stephen Harper und die Konservativen regieren künftig mit einer klaren Mehrheit. Für die Kohlendioxid-Bilanz des Landes dürfte das Ergebnis der Parlamentswahlen keine gute Nachricht sein - auch wenn immerhin erstmals eine Grüne ins Unterhaus einzieht.
Der Mineralölkonzern Total plant Milliarden-Projekt im kanadischen Bundesstaat Alberta
Während der Anhörung zu einem Pipeline-Projekt für Teersand in Kitimat in Kanada protestierten mehrere hundert Menschen gegen das Vorhaben des kanadischen Unternehmens Enbridge. Ökosysteme sind in Gefahr
In der Anti-Terror-Strategie des Landes tauchen radikale Umweltschützer als potentielle Terroristen auf
Der konservative Premierminister Stephen Harper begrüßt das Scheitern des Entwurfes, der "völlig unverantwortlich" gewesen sei
Kanadische Umweltorganisationen wollen EU-Politiker überzeugen, Öl aus Teersanden zu verbannen



