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Trump ist gewählt: Jetzt erst recht!

Sander in Bewegung

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Die Wahlleute der USA haben Donald Trump zum Präsidenten gewählt, am Montagabend kamen die 270 nötigen Stimmen zusammen. Das vermeldeten zahlreiche US-Medien übereinstimmend mit Berufung auf eigene Zählungen, hochoffiziell wird das Ergebnis erst am 6. Januar verkündet. Es wäre die letzte Chance gewesen, den gefährlichen Rechtspopulisten vom Regieren abzuhalten – was tausende Demonstranten auch eingefordert hatten. Nach dem Votum des Electoral College wird Trump nun wohl am 20. Januar vereidigt.

Schon seit der Wahl der US-Bürger Anfang November – wärend des Weltklimagipfels in Marrakesch – geht Trump wie ein Gespenst in der Klimaszene um: Welche diplomatischen Folgen wird die Entscheidung wohl haben? Wird Trump aus dem Weltklimavertrag von Paris aussteigen? Wer nimmt die bisherige Rolle der USA im Klimaprozess ein?

Es wird nicht leichter!

Wie schon letztes Jahr in Paris interessierte sich die Klimabewegung allerdings kaum für den UN-Klimagipfel – zu recht. Über die Zukunft unserer Erde wird nicht in Marrakesch und Co. entschieden, sondern im US-Reservat Standing Rock, wo indigene und weiße AmerikanerInnen durch ihren Protest mit großem Mut einen vorläufigen Baustopp der Dakota Access Pipeline erwirkten, und an den vielen anderen Orten, an denen die Menschen dem fossilen Wahnsinn trotzen.

Ich fürchte, ihr Kampf wird nicht leichter werden angesichts des Klimafeindes Trump, der einen Klimawandelleugner an die Spitze der US-Umweltbehörde EPA setzen oder diese gleich ganz abschaffen will. Nach Trumps Wahl ergriff mich wie viele andere ein Gefühl der Fassungslosigkeit und ohnmächtigen Wut. Der neue US-Präsident wird absehbar noch mehr Leid über viele Teile der Welt bringen.

Wenn schon die aufgeklärten, menschenfreundlichen Teile der US-amerikanischen Bevölkerung Trump nicht stoppen konnten, was können wir – die ja nicht einmal das kleinere Übel, die Wallstreet-Establishment-Kandidatin Hillary Clinton, wählen konnten – überhaupt tun? Gerade in einer Situation wo das Klima immer schneller auf entscheidende Kipppunkte zusteuert und das globale CO2-Budget dahinschmilzt, droht der republikanische Elefant im Porzellanladen dem Klima den endgültigen Todesstoß zu geben. 

Nicht den Kopf verlieren

Um nicht zu verzagen, erinnere ich mich gerne an einen Ratschlag meines Lieblingsmarxisten Antonio Gramsci: "Man muss nüchterne, geduldige Menschen schaffen, die nicht verzweifeln angesichts der schlimmsten Schrecken und sich nicht an jeder Dummheit begeistern. Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens."

Zugegeben, die Chancen für eine Rettung der Welt sind nicht unbedingt gestiegen. Aber jetzt kommt es darauf an, dass wir uns nicht beirren lassen und die veränderten Bedingungen strategisch für eine neue Offensive nutzen. Dabei könnte uns in die Hände spielen, dass die Konfliktlinie durch die US-Wahl klarer denn je ist: auf der einen Seite das Big Business, die rechten HetzerInnen und die Feinde des Klimas – auf der anderen Seite die VerteidigerInnen von sozialen Rechten und Menschlichkeit und die VorkämpferInnen einer klimagerechten Welt. Dazwischen gibt es nicht mehr viel.

Vor allem die Klimaaktivisten Tadzio Müller und Nicolas Haeringer treffen einen entscheidenden Punkt: In einer Zeit, in der Appelle an die Vernunft und Hinweise auf die Wahrheit des Klimawandels offensichtlich nur noch eine begrenzte Reichweite haben, Lügen und Hass triumphieren, wird das technokratische Feilschen um Klimavertragstexte zu einem stumpfen Schwert beim Kampf gegen den Klimawandel.

Wir sehen uns in Hamburg!

Vielmehr geht es darum, eine attraktive Gegenerzählung und einen effektiven Widerstand gegen die Trumps dieser Welt zu entwickeln, die die empathischen Affekte der Menschen ansprechen. Das sind nicht zuletzt die Bilder und Erfahrungen des unerschrockenen Widerstands gegen die Kohlebagger, Kraftwerke und Pipelines.

Wir müssen nun also umso stärker unsere FreundInnen unterstützen, die an der "Frontline" gegen das fossile Monster in den USA kämpfen. Vor allem müssen wir auch unsere eigenen Kämpfe intensivieren. In Deutschland bieten sich dafür im nächsten Jahr gleich mehrere Gelegenheiten: Wenn Trump Anfang Juli zum G20-Treffen nach Hamburg reisen wird, um die FührerInnen der anderen Schurkenstaaten zu treffen, werden Zehntausende in der Hansestadt dagegen demonstrieren. Die Interventionistische Linke hat die "größte Anti-Trump-Demonstration in Deutschland" angekündigt.

Nur wenige Wochen später werden tausende Ende-Gelände-AktivistInnen wieder die Kohleindustrie im Rheinland blockieren. Ich werde dabei sein.

BildWas können wir in Deutschland tun, wo wir schließlich nicht mal die Chance hatten, das geringere Übel in Form der Establishment-Kandidatin Hillary Clinton zu wählen? Zu Hause für Klimagerechtigkeit kämpfen, schlägt Kolumnist Hendrik Sander vor. (Karikatur: Donkey Hotey/Flickr)

Dem Aktivisten und Politikwissenschaftler Hendrik Sander geht es beim Klimaschutz nicht nur um die technische Revolution, sondern auch um die soziale. Darauf wartet er nicht gern auf dem Sofa – lieber geht er auf die Straße

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