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Guerilla unter Weihnachtsbaum

Der gute Wille

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Weihnachtsbaum oder lieber nicht? Wenn die junge Tanne oder Fichte sich das aussuchen könnte, wäre die Antwort klar. Lieber nicht.

Acht bis zwölf Jahre darf der Setzling wachsen, möglichst gerade, mit schöner Krone – und das war's dann. Der Waldarbeiter rückt Mitte Dezember mit der Säge an. Das Baumleben währt dann noch vier Wochen, nach dem Aufstellen im Wohnzimmer erst prächtig mit Weihnachtsbaumkugeln und Co, dann nadelnd, immer mehr, bis die freiwillige Feuerwehr oder Stadtreinigung sich in der zweiten Januarwoche erbarmt und die Baumskelette vom Straßenrand zusammenklaubt. Endstation Kompostieranlage.

Rund 29,5 Millionen Bäumen geht es jedes Jahr so. Allein in Deutschland. Klimaschützern und Ökologen treibt das die Sorgenfalten ins Gesicht, vor allem, wenn sie den transzendentalen Sinn des ursprünglich germanischen Brauchs der Baumvernichtung nicht erspüren können.

Sie sind nämlich grundsätzlich der Meinung, dass man geschlagene Bäume möglichst mehrfach nutzen sollte, bevor das in ihnen gespeicherte Treibhausgas CO2 durch Verrottung oder Verbrennung wieder in die Atmosphäre gelangt. Ein Mehrfacheinsatz ist beim monofunktionalen Weihnachtsbaum nun wirklich nicht der Fall. Die Sache muss daher überdacht werden.

Eigentlich geht es den Klima-Ökologen ja um das Holz, das hierzulande immer häufiger als "Öko-Energie" verbrannt wird, oder schlicht deswegen, weil es im Kamin so schön knistert, knackt und zischt. Sie empfehlen dringend eine "Kaskadennutzung".

Das bedeutet: Frisch geerntetes Holz wird zunächst zu Baumaterial oder langlebigen Möbeln, anschließend einmal oder mehrfach zu Spänen für Spanplatten verarbeitet – und dann erst zwecks CO2-neutraler Energiegewinnung verbrannt.

Gerade haben Forscher der Uni München wieder belegt, wie vorteilhaft diese Strategie wäre. Bislang wird rund die Hälfte des hierzulande geernteten Holzes – 60 Millionen Tonnen pro Jahr – mehr oder weniger sofort verbrannt. Die Experten fordern den Bund daher auf, die Kaskadenutzung zu fördern, statt wie bisher das schnelle Verfeuern durch EEG und Investitionszuschüsse für Holzpellet- oder Hackschnitzel-Heizungen.

Ein Manko hat die Studie. Über Weihnachtsbäume steht nichts drin. Deswegen kann man nur vermuten: Es ist am besten, statt Ex-und-hopp-Ware die Nordmanntanne oder Blaufichte mit Wurzeln im Topf zu kaufen.

Das tun immerhin schon zehn bis zwölf Prozent der Weihnachtsbaumfans. Und buddeln sie nach dem Fest dann gardenguerillamäßig irgendwo wieder ein. Da, wo es ihnen gefällt ...

BildDas Weihnachtsbaumleben ist kurz und wenig nachhaltig. (Foto: Bag Väsk/​Wikimedia Commons)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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