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Die Auferstehung für CCS

Der gute Wille

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CCS sollte die Rettung sein – für die Kohlekraftwerke. Die Technik mit dem sperrigen Namen "Carbon Capture and Storage" wurde von den Stromversorgern gepusht, allen voran RWE und Vattenfall mit ihrem stark kohlelastigen Strommix. Es klang verlockend: Statt das Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre zu pusten, wird es im Kraftwerk aufgefangen und in tiefe Erdschichten gepumpt, wo es nicht zum Aufheizen des Planeten beitragen kann.

Doch nicht nur Umweltverbände, Grüne, Linke sowie Teile von Union und SPD opponierten, der Bürgerprotest in potenziellen Endlager-Regionen für das Treibhausgas wurde so stark, dass die CCS-Idee scheiterte. Der damalige Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erklärte 2012, CCS habe keine Zukunft in Deutschland. Auch im Ausland wurden Projekte eingestellt.

Doch Totgesagte leben länger. Oder könnten wiederauferstehen. Denn nun gibt es eine neue Initiative, die das umstrittene Projekt wieder auf die Tagesordnung setzen will. Wenn die Bundesrepublik ihre Klimaschutz-Ziele erreichen wolle, müsse sie zumindest die Chancen und Risiken von CCS und der verwandten CCU-Technologien – Abscheidung und Nutzung von CO2 als Rohstoff – prüfen "und die daraus resultierenden Handlungsoptionen mit allen gesellschaftlichen Akteuren beraten".

So steht es in einem Aufruf, den die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) initiiert hat. Nur so stünden CCS und CCU rechtzeitig zur Verfügung, um bis 2050 – wenn die Treibhausgas-Neutralität erreicht sein muss – einen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können.

Besonders interessant ist, wer den Aufruf unterschrieben hat. Dabei sind nicht nur die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, das Chemie- und Biotech-Netzwerk Dechema und ein Fraunhofer-Institut, sondern auch die Klima-Institute in Potsdam und Wuppertal – sowie zwei bekannte Umweltorganisationen, der WWF und Germanwatch.

In der Tat scheint es, als würde die Debatte angesichts der Probleme, beim CO2 wirklich auf null herunterzukommen, neu beginnen. Beim WWF heißt es dazu, CCS und CCU könnten für Emissionen aus der Industrie, "für die es noch keine andere Vermeidungsoption gibt, eine wichtige Rolle spielen" – also aus der Stahl- und Zementproduktion.

So gesehen, geht der Vorstoß okay. Wäre da nur nicht eine Gefahr. Keiner kann ausschließen, dass CCS irgendwann doch zur Verlängerung der Kohle-Ära eingesetzt wird. Voraussetzung muss also sein, dass die neue Bundesregierung einen klaren Fahrplan für den Kohleausstieg beschließt.

BildAuferstehung ist ein Konzept aus Weltanschauungen, die nicht mehr in Kreisläufen denken. (Foto: Jianti Zhongwen/​Pixabay)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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