Der Bumerang auf der Straße

Der gute Wille

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"Sharing-Economy" – so lautet das Zauberwort. Die "Ökonomie des Teilens" soll helfen, die Umwelt- und Klimakrise zu überwinden. Dinge und Dienstleistungen gemeinschaftlich zu nutzen ist schwer in Mode gekommen, seitdem das durch Internet-Plattformen so viel einfacher als früher geworden ist. Carsharing, Airbnb, Ebay-Kleinanzeigen, Tauschbörsen aller Art – diese Angebote boomen. Mit ein paar Mausklicks oder Tippern auf dem Smartphone kann man ganz privat ein Zimmer oder eine Couch mieten, ein Auto ordern, Legosteine ausleihen und das zu eng gewordene Abendkleid in die Auktion stellen.

Nur: Nicht immer hilft das auch wirklich der Umwelt. Ein Beispiel: Wird die Übernachtung billiger, reist man mehr – und die CO2-Bilanz ist im Eimer. Oder: Streamt man Musik per Internet zu Hause und unterwegs, fallen zwar die Produktion und der Vertrieb von CDs weg, doch es steigt der Stromverbrauch der Server, auf denen die virtuellen Sounds liegen. Hinzu kommt auch hier die steigende Nachfrage, wenn der Preis sinkt und der Zugang einfacher wird. Man spricht von Rebound- oder Bumerang-Effekten.

Auch bei den Sharing-Fahrdiensten wie Uber und Lyft gibt es offenbar solche Gefahren, wie eine neue Studie aus den USA zeigt, wo Marktführer Uber erfunden wurde und bereits weit verbreitet ist. Die Nutzung der "Privat-Taxis" verdrängt danach zunehmend den öffentlichen Nahverkehr und ein umweltschonendes Verkehrsverhalten. In den großen US-Städten ist die Nutzung von Bussen und Bahnen laut der Untersuchung der Universität von Kalifornien in Davis seit der Einführung der Fahrdienste im Schnitt bereits um sechs Prozent zurückgegangen.

Nutzer der Privat-Taxis sind vornehmlich junge, gut ausgebildete Menschen, 36 Prozent der 18- bis 29-Jährigen ordern regelmäßig Uber und Co. Gäbe es diese Dienste nicht, wäre die Hälfte der Fahrten oder mehr (49 bis 61 Prozent) mit dem ÖPNV, per Rad, zu Fuß oder gar nicht unternommen worden. Das heißt, der Straßenverkehr hat durch das neue Angebot sogar zu- statt abgenommen.

Und da die Fahrer der Uber-Fahrzeuge nach ihren Sharing-Touren in vielen Fällen mangels neuer Aufträge ohne Fahrgäste wieder zurückfahren, wäre es unter Umwelt- und Klimagesichtspunkten sogar besser, wenn die Kunden der Dienste mit ihrem eigenen Auto fahren würden, meinen die Wissenschaftler.

BildGünstig unterwegs per Uber-App in Washington: In Deutschland ist Uber derzeit nur mit einem veränderten Geschäftsmodell in Berlin und München aktiv, nachdem das Landgericht Frankfurt das kommerzielle Mitnehmen in Privatautos verboten hat. (Foto: Mark Warner/​Flickr)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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