Die teuren Äpfel

Der gute Wille

Bild

Äpfel sind das beliebteste Obst der Deutschen. Und der Herbst ist natürlich die beste Zeit zum Reinbeißen, quasi frisch vom Baum schmecken die knackigen Früchte am aromatischsten. Vitalstoff aus der Region, nicht importiert aus irgendwelchen weit entfernten Weltgegenden.

In diesem Jahr allerdings ist die Freude getrübt. Denn die Obstbauern klagen fast überall – vom "Alten Land" bei Hamburg im Norden bis zum Bodensee im Süden – über teils dramatische Ernteausfälle; je nach Region gibt es nur ein Drittel bis drei Viertel der Durchschnittsernte. Heimische Äpfel sind in diesem Herbst knapp – und teuer.

Ursache der Malaise waren Spätfröste im April. Temperaturen von bis zu minus sieben Grad Celsius machten den zarten Apfelbaum-Blüten den Garaus. In Zukunft könnte dieses Phänomen sogar öfter auftreten – ein Paradox des Klimawandels. Spätfrost-Folgen nehmen zu, weil die Vegetation im Frühjahr aufgrund der Erwärmung immer früher einsetzt. Für hohe Lagen haben das Schweizer Wissenschaftler jetzt in einer Studie nachgewiesen. Der Vegetationsbeginn hat sich schneller nach vorne verschoben als das Datum des letzten Frosts im Jahr. Die Bäume schlagen immer früher aus, und wenn dann Spätfröste kommen, trifft das die jungen Blätter und Blüten.

"Sicherheitspuffer" schmilzt

Der "Sicherheitspuffer" zwischen den vorhergesagten Zeitpunkten der Blatt- oder Blütenbildung der jeweiligen Baumart und dem Datum des vergangenen Frosts ist laut der Untersuchung geschrumpft. Allerdings stimmt das vor allem in Höhen über 800 Metern, wo sich in den vergangenen 40 Jahren eine besonders starke Erwärmung zeigte.

Auch in der Schweiz hatte die plötzliche Frostwelle im April Obstbaum-Anlagen und Weinberge – insbesondere im Wallis – gefrieren lassen und damit große Ernteverluste verursacht. In den Wäldern entstanden an mehreren Baumarten ebenfalls erhebliche Schäden. In den in geringeren Höhen ist der "Sicherheitspuffer" bisher zumindest laut der Studie unverändert geblieben.

Für die Obstbauern ist die Sache nicht einfach. Die eigentlich naheliegende Idee, jetzt möglichst schnell Baumarten zu pflanzen, die besser an ein immer wärmeres Sommerklima angepasst sind, könnte zumindest derzeit noch nach hinten losgehen. Deren Austrieb beginnt meist zu einem früheren Zeitpunkt im Frühjahr – und sie wären dann noch viel stärker durch Frostschäden gefährdet, warnen die Experten.

BildWenn die Apfelblüte durch die Erderwärmung früher einsetzt, ist die Gefahr besonders groß, dass ein Spätfrost die Ernte zunichte macht. (Foto: Captain Orange/Flickr)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

Zur Kolumnen-Übersicht

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen