Schneeball im All

Der gute Wille

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Die Erde ist vor rund 4,6 Milliarden Jahren entstanden. Fast eine Milliarde Jahre verging, bis sich das erste Leben entwickelte, winzige Mikroben in der Nähe von heißen Quellen am Grund des Ur-Ozeans. Eine weitere Milliarde dauerte es, bis die zuerst sauerstofflose Gashülle unseres Planeten durch chemische Umwandlung zu der Atmosphäre wurde, die Pflanzen und Tiere (einschließlich Menschen) zum Atmen brauchen.

Und noch einmal satte 2,3 Milliarden gingen drauf, bis im Erdzeitalter des Karbon aus abgestorbenen Bäumen und Pflanzen jene riesigen Kohleflöze entstanden, die vor 150 Jahren die industrielle Revolution ermöglichten.

Das Karbon gilt auch als Zeitalter der Farne. Damals wuchsen allerdings Baumfarne, Schuppenbäume und Siegelbäume zum Beispiel, die bis zu 40 Meter Höhe und Stammdurchmesser von einem Meter erreichten.

Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimaforschung (PIK) haben nun genau nachgezeichnet, was in der Erdatmosphäre passiert, als vor rund 300 Millionen Jahren die ausgedehnten Farnwälder abstarben und das in ihnen gespeicherte CO2 unterirdisch eingelagert wurde. Die CO2-Konzentration in der Luft sank drastisch, und die Erde kühlte so stark ab, dass sie nur knapp einer völligen Vereisung entging.

Einige der Temperaturänderungen sind laut PIK auf die jeweilige Neigung der Erdachse und die Form der Erdbahn um die Sonne zurückzuführen. Der Einfluss der CO2-Konzentrationen auf das damalige Klima war jedoch erheblich, wie die Forscher nachweisen. Analysen von alten Böden und von Blattfossilien zeigen, dass der CO2-Gehalt in der Atmosphäre stark schwankte und bis auf etwa 100 ppm (Millionstel) und womöglich noch niedriger sank.

Laut Modellsimulationen hätte eine globale Vergletscherung bei einer CO2-Konzentration unter 40 ppm eingesetzt. Die Erde wurde  also beinahe zum rotierenden Schneeball im All. Zum Vergleich: heute sind es über 400 ppm, mit steigender Tendenz.

PIK-Forscher Georg Feulner sagt: "Es ist eine ziemliche Ironie, dass die Entstehung der Kohle, die heute ein wichtiger Faktor für die gefährliche Erderwärmung ist, einmal fast zur globalen Vereisung führte." Die Menge des in den Kohlereserven der Erde gespeicherten CO2 sei einmal groß genug gewesen, um das Erdklima aus dem Gleichgewicht zu bringen. Und Feulner warnt: "Wenn durch die Verbrennung der Kohle dieses CO2 wieder freigesetzt wird, destabilisiert es das Erdsystem aufs Neue."

BildWenn die CO2-Konzentration in der Atmosphäre unter 40 ppm absinkt, beginnt die globale Vereisung. Zurzeit haben wir auf der Erde ein ganz anderes Klimaproblem – doch beides hängt zusammen. (Foto: Pxhere)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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