Auf dem Holzweg

Der gute Wille

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Der Herbst ist da, der Winter nicht mehr fern. Viele mögen die kalte Jahreszeit nicht. Wer aber einen Kamin besitzt, freut sich drauf. So ein knisterndes Holzfeuer mit gut abgelagerter Buche, dessen Flammen lustig züngeln und wohlige Wärme in den Raum strahlen, das hat was, keine Frage.

Was oben aus dem Schornstein herauskommt, ist meist weniger gemütlich. Kohlenmonoxid, andere Verbrennungsabgase, Feinstaub, natürlich auch das Treibhausgas Kohlendioxid, wobei freilich nur die Menge davon wieder frei wird, die der Baum früher aus der Atmosphäre geholt hat. Klimaneutral heizen nennt man das. Und diesbezüglich darf man dann also ein gutes Gewissen haben.

Dachte man. Der Naturschutzbund Nabu gießt nämlich Wasser in den Glühwein, der zum Kaminfeuer gerne gereicht wird. In Deutschland werde jährlich fast genauso viel Holz zur Erzeugung von Energie verbrannt, gut 70 Millionen Kubikmeter, wie im deutschen Wald insgesamt geerntet wird, das sind etwa 76 Millionen.

"Eine gewaltige Menge Holz", meint der Nabu, "die allerdings nur vier Prozent des Primärenergieverbrauchs der Bundesrepublik deckt". Und, noch dramatischer: "Selbst wenn das gesamte geerntete Holz in Deutschland ausschließlich verbrannt werden würde, wäre der Beitrag zum Klimaschutz gering. Damit ist das Verhältnis zwischen Flächennutzung und Beitrag zur Energiewende denkbar schlecht."

Deutschland importiert große Mengen Holz aus aller Welt, um die hohe Nachfrage für Möbel, Verpackung, Papier, aber auch Wärme und Strom zu decken. Angesichts der globalen Waldverluste und des Klimawandels sei das eine fragwürdige Entwicklung, kritisiert der Nabu. Vor allem das industrielle Verfeuern von Holz dürfe von der Bundesregierung nicht länger gefördert werden.

Tatsächlich sagt auch das Umweltbundesamt (UBA), dass eine "Kaskadennutzung" von Holz ökonomisch und ökologisch am sinnvollsten wäre. Dabei würde Holz zuerst als Baumaterial oder für langlebige Möbel, dann für Spanplatten und erst am Ende, wenn es sich nicht mehr für Holzprodukte eignet, für die Energiegewinnung eingesetzt – zum Beispiel kleingeraspelt in Pelletheizungen. Die Förderung der Holznutzung solle entsprechend verändert werden, fordert das UBA.

Ja, und das Kaminfeuer? Kriegt man dann nicht mehr hin. Deswegen sollte man es mit der Effizienz auch nicht übertreiben – und ein paar ordentliche Klafter Holz dafür übrig lassen.

BildIn Deutschland wird fast so viel Holz zur Energienutzung verbrannt, wie gerodet wird. (Foto: Pixel Anarchy/​Pixabay)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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