Ein Tesla geht gar nicht – oder doch?

Der gute Wille

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Na also, es geht doch. Immer mehr Spitzenpolitiker im Bund und Ländern sind vorbildlich unterwegs – in ihrem Dienstwagen. Immerhin 19 von ihnen wurden jetzt von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) mit einer "grüne Karte" ausgezeichnet, weil sie Autos mit niedrigem CO2-Ausstoß und schadstoffarmen Motoren fahren. Das sind mehr als doppelt so viele wie im letzten Jahr. Alle diese Wagen sind Plug-in-Hybride mit Batterie und Steckdose, die kürzere Strecken auch rein elektrisch zurücklegen können. Ein reines Elektro-Auto fährt wegen mangelnder Reichweite noch keiner. Und ein deutscher Politiker im amerikanischen Tesla, wie sähe das aus.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ist unter den belobigten Politikern, ebenso drei ihrer Kollegen aus den Ländern. Da sollte man so etwas erwarten. Öko-Spitzenreiter mit dem sparsamsten Fahrzeug ist der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Aber auch einige "fachfremde" Minister und Staatssekretäre lassen sich umwelt- und klimafreundlich durch die Lande kutschieren, der Hamburger Justizsenator Till Steffen zum Beispiel. Der ist allerdings ein Grüner, da weiß man, woher es kommt.

Das war die gute Nachricht. Es gibt nämlich auch eine schlechte. Vorbildlich ist die Dienstwagenflotte der Minister und Staatssekretäre insgesamt auch im Jahr zwei nach VW-Dieselgate noch längst nicht. Von den 233 Limousinen in dem Check sind 177 weiterhin mit Dieselmotor ausgerüstet, und das führt in der DUH-Liste zur Abwertung, selbst dann, wenn sie relativ sparsam sind.

Grund dafür ist der inzwischen allgemein bekannte Fakt, dass selbst die modernen Selbstzünder im realen Fahrbetrieb viel mehr Stickoxide (NOx) rauspusten als auf dem Prüfstand. Tatsächlich ist gerade der bei Politikern beliebte Audi A8 mit Euro 6 auf der Straße eine wahre Dreckschleuder, mit einer gemessenen 24-fachen Überschreitung des NOx-Grenzwerts.

Wie unterschiedlich klimafreundlich man politisch unterwegs sein kann, verdeutlichen die Zahlen aus dem Check. Ober-Öko Wenzel fährt in einem Plug-in-Hybrid, der laut Herstellerangabe 100 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hingegen einen Benziner mit besonderer Sicherheitsausrüstung, der satte 303 Gramm produziert. Damit ist er das Schlusslicht. Und ob bei Seehofers Politik dreimal so viel hinten rauskommt wie bei der der Bundesumweltministerin, wäre einen eigenen Kommentar wert.

BildNoch im Vorjahr verweigerte die Bayerische Staatskanzlei die Herausgabe der Umweltdaten über den Dienstwagen von Ministerpräsident Seehofer – im Februar verdonnerte das Verwaltungsgericht München die Landesbehörde zur Offenlegung. (Foto: Michael Lucan/​Wikimedia Commons)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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