Die Wüste lebt

Der gute Wille

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Die Erde ist der blaue Planet. Rund zwei Drittel der Oberfläche bestehen aus Wasser. Trotzdem wird Wassermangel auf dem restlichen Drittel ein immer größeres Problem. Denn immerhin fast 40 Prozent der Landmasse sind Trockengebiete, und diese Flächen wachsen durch Klimaerwärmung und Übernutzung stetig an. Die Weltgemeinschaft nimmt das Problem kaum zur Kenntnis, obwohl es bereits 1994 eine UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung gibt, die von fast allen Staaten der Erde ratifiziert worden ist.

Der in Hamburg ansässige "Weltzukunftsrat" (World Future Council, WFC) schätzt, dass weltweit mehr als 135 Millionen Menschen in Gefahr sind, durch Desertifikation aus ihren Regionen vertrieben zu werden. Der Grund: Die Trockengebiete sind äußerst anfällig für Überbeanspruchung und Klimaveränderungen, weswegen sie zu den am meisten konfliktgefährdeten Regionen gehören.

Dem WFC, 2007 von Jakob von Uexküll, dem Gründer des Alternativen Nobelpreises, ins Leben gerufen, zeigt nun: Die Ausbreitung der Wüsten, also Bodenerosion und Landverödung, ist kein unabwendbares Schicksal.

Der Rat zeichnet in diesem Jahr sieben internationale Projekte mit seinem "Preis für Zukunftspolitik" aus, die zeigen, dass sich der Trend stoppen und umkehren lässt. Immerhin 27 Projekte aus aller Welt waren für die Auswahl nominiert worden, sieben werden prämiert. Am meisten überzeugte die Region Tigray in Nord-Äthiopien die Jury. Tigray hat ein Gesetz erlassen, das die Wiederbegrünung von Brachland vorantreibt – durch gemeinschaftliches Handeln von Bauern, Freiwilligenarbeit und Einbindung der Jugend. Verödetes Land wurde so bewohnbar gemacht.

Ausgezeichnet wird vom WFC auch das von der brasilianischen Regierung aufgelegte Programm zum Bau von Zisternen, das die Wasserversorgung in den ärmsten Regionen des Landes verbessert hat. Den größten Nutzen, global gesehen, dürfte allerdings das ebenfalls ausgewählte chinesische Gesetz zur "Prävention und Kontrolle von Desertifikation" haben. Damit erreichte es China in den letzten 15 Jahren, den in dem Land sehr starken Trend zur Wüstenbildung umzukehren; Millionen von Menschen seien dadurch aus der Armut befreit worden, so der Rat.

Die Marokkanerin Monique Barbut, Chefin der Anti-Wüsten-Konvention, hat die Auswahl gelobt. Die sieben Preisträger zeigten "politische Handlungsfähigkeit", sagte die UN-Diplomatin. Eine Ermutigung in Zeiten, in denen das Ökosystem Erde zunehmend unter Druck gerät.

BildWie lässt sich Wüstenbildung aufhalten? Durch Wiederbegrünung von Brachland. (Foto: Gao Jialiang/​Wikimedia Commons)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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