Trumps Erde ist eine Scheibe

Der gute Wille

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Mehr als 500 Seiten hat der neue Bericht, den Klimaforscher aus 13 US-Behörden geschrieben haben. Donald Trump, der über Themen wie das CO2-Sparen in der größten Wirtschaftsmacht der Welt, den Paris-Vertrag oder milliardenschwere Klimaschutz-Hilfen entscheidet, hätte ihn sowieso nicht gelesen. Er enthält schließlich rund 6.500-mal 140 Zeichen, und das ist zu viel für den amtierenden US-Präsidenten.

Dass die Wissenschaftler trotzdem darauf brannten, den Text einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, und dabei mit der New York Times zusammenarbeiteten, liegt wiederum an dem ganz speziellen Klima, das Trump in Washington geschaffen hat.

In dem Bericht steht zwar Dramatisches, aber nichts völlig Neues drin. Die Welt ist seit Beginn der Industrialisierung bereits um 0,9 Grad wärmer geworden, und bis 2100 droht ein Plus von fünf Grad.

Der Meeresspiegel erhöht sich zunehmend schneller, bei ungebremsten CO2-Emissionen kann langfristig ein Anstieg um 2,40 Meter und mehr nicht ausgeschlossen werden. In den USA ist Starkregen bereits spürbar heftiger geworden. Besonders im Westen des Landes drohen extreme Trockenperioden.

Die Forscher wählten den in der Wissenschaft bisher ungewöhnlichen Weg, weil sie die große Sorge umtreibt, ihr Bericht werde sonst zensiert. Die Trump-Regierung muss ihn noch genehmigen. Er wandert unter anderem über den Schreibtisch des Umweltbehörden-Chefs Scott Pruitt, der den Zusammenhang des CO2-Ausstoßes mit dem Klimawandel leugnet.

Am wahrscheinlichsten war es, dass der Report in Pruitts Schublade verstaubt wäre. Denn plausibel umzuschreiben hätte man die geballte Ladung Sachstand-Wissen wohl kaum. Nun allerdings wird der Bericht breit diskutiert, und das ist, unter den Washingtoner Umständen, gut so.

Freilich: Dass Trump, Pruitt und Co sich davon beeindrucken lassen, ist höchst unwahrscheinlich. Sie dürften sich eher in ihrer Haltung bestärkt sehen, dass man diesen Klima- und Umweltforschern den Geldhahn zudrehen muss, damit sie solche Reports gar nicht mehr schreiben können. Im Etat für 2018 haben sie den Rotstift dazu ja schon kräftig eingesetzt.

Bleibt nur zu hoffen, dass diese dunkle, anti-aufklärerische Zeit in Washington keine vollen vier Jahre dauert. Sonst setzt der Präsident die Nasa am Ende noch darauf an zu erforschen, dass die Erde eine Scheibe ist.

BildAuf Twitter-Fotos sieht die Erde immer flach aus. (Foto: NASA/​Flickr)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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