Nur noch die Revolution hilft

Der gute Wille

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Bleibt Donald Trump vielleicht doch drin – im Pariser Klimavertrag? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Immerhin, Bundesumweltministerin Hendricks sieht da noch Chancen. Der US-Präsident bekomme auch im eigenen Land viel Gegenwind für seine Ankündigung, aus dem Abkommen auszusteigen, sagte sie jüngst.

Das könne ihn zum Umdenken bringen. Immerhin steht Hendricks damit nicht allein. Auch Frankreichs Präsident Macron hatte nach Trumps Besuch in Paris Mitte Juli Optimismus verbreitet. Trump werde in dem Punkt vielleicht doch noch umdenken. Der regierende Klimaspektiker in Washington hat ja auch noch ausreichend Zeit dazu: Der Austritt aus dem Paris-Vertrag wird gemäß den Regularien erst nach drei Jahren wirksam.

Wird damit also alles gut? Hält damit das Ende 2015 in der französischen Hauptstadt beschlossene Zwei-Grad-Erwärmungslimit? Jüngste Forschungsergebnisse aus den USA und Deutschland lassen, unabhängig von Trumps Entscheidung, die Zweifel steigen. Die Chance, das Temperaturplus bis 2100 auf zwei Grad zu begrenzen, liegt nach den Analysen von Washingtoner Klimaökonomen nur noch bei fünf Prozent, und bei dem noch ehrgeizigeren Ziel von 1,5 Grad ist es sogar nur ein Prozent.

Die Experten haben für ihre Berechnungen die vorliegenden Klimaziele der knapp 200 Staaten der Welt, die Daten zu Bruttoninlandsprodukt und Treibhausgas-Ausstoß pro Wirtschaftseinheit und den erwarteten Anstieg der Weltbevölkerung auf elf Milliarden Menschen berücksichtigt. Nach der Prognose geht die CO2-Kurve nicht schnell genug nach unten, um zwischen 1,5 und zwei Grad zu landen. "Wir sind bereits näher an der Grenze, als wir glauben wollen", kommentierte der Chefautor der Studie, Adrian Raftery.

Wie nah, das zeigt eine weitere Analyse, die das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg veröffentlicht hat. Sie zeigt: Selbst wenn, theoretisch, sofort alle Treibhausgas-Emissionen gestoppt würden, würde sich das Klima bis 2100 um mindestens 1,3 Grad erwärmen. Es könnten sogar 1,5 Grad sein. Denn das Klimasystem reagiert träge und der CO2-Ausstoß der vergangenen Jahrzehnte wirkt sich erst mit Verzögerung aus.

Was das bedeutet? Egal, was Trump macht, das Klima (oder vielmehr die Menschheit) ist sowieso nicht mehr zu retten? So zu reagieren wäre fatalistisch. Natürlich wäre es wichtig, dass Trump (oder sein Nachfolger) im Paris-Vertrag bleibt. Doch das allein reicht bei Weitem nicht. Zumindest das Zwei-Grad-Limit ist noch drin. Nur müssen dazu alle, nicht nur die USA, eine wahre Energie-Revolution durchführen. Darunter geht es nicht mehr.

BildIst die Erderwärmung noch zu stoppen? Nur wenn alle an einem Strang ziehen – auch die USA, sagen Forscher. (Foto: Frank Vincentz/​Wikimedia Commons)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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