Backöfen aus Beton

Der gute Wille

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Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt, auch wenn der Sommer jetzt erstmal eine Pause einlegt – er hat sich ja mit den vorgezogenen Hundstagen im Juni auch schon ganz schön verausgabt. Vor allem Städter ohne viel Grün in der Nachbarschaft und Dachgeschoss-Bewohner bekamen in den letzten Wochen wieder einmal eine Vorahnung davon, was es bedeutet, wenn hierzulande die Zahl der "Tropennächte" mit über 20 Grad durch den Klimawandel deutlich zunehmen wird. Es waren super Tage, vor allem im Schatten, aber an erholsamen Schlaf war nicht zu denken.

Hitzewellen sind aber nicht nur unangenehm, sie erhöhen auch den Stress für Menschen mit Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und führen sogar zu erhöhten Sterberaten. Besonders betroffen: chronisch Kranke und alte Menschen.

Zum Glück gibt es da das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das sich, wie schön, nicht nur um Pflanzen und Tiere, sondern auch um uns Menschen kümmert. "Stadtgrün kann einer Überhitzung der Städte effektiv entgegenwirken", lässt uns das Amt jetzt wissen. Die staatlichen Naturschützer enpfehlen das Pflanzen von mehr Stadtbäumen, das Anlegen von Fassaden- und Dachgrün. Größere Grünanlagen können nachts dazu führen, dass die Temperaturen um fünf bis zehn Grad Celsius abgesenkt werden. Und gut in den Städten verteilte Freiräume bieten den Bürgern die Möglichkeit, dem Hitzestress auszuweichen.

Das Amt zählt auf, was uns allen guttut. "Attraktive Grünräume animieren zu Sport und Bewegung, laden aber auch zu Erholung und Entspannung ein. Sie fördern das Konzentrationsvermögen sowie die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern. Und sie tragen zur sozialen Integration bei, indem sie allen sozialen Schichten den Zugang ermöglichen." Wer in Stadtgrün investiert, schlägt also gleich drei Fliegen mit einer Klappe (in diesem Zusammenhang natürlich nur bildlich gesprochen): Er verbessert nicht nur den Naturschutz in der Stadt, sondern auch die Anpassung an den Klimawandel und die Gesundheitsförderung.

Eigentlich ist das alles ziemlich einsichtig. Dumm nur, dass derzeit immer mehr Menschen just in die Großstädte ziehen wollen und dadurch dort der Druck enorm wächst, die noch unbebauten Flächen, wo immer es geht, für neue Häuser und Straßen zu nutzen. Politiker sind schnell bereit dem nachzugeben, statt andere Lösungen zu suchen. Vorbeugende Anpassung an den Klimawandel? Eher programmierte Backöfen aus Beton.

BildIn Berlin gibt es gar nicht so wenige Grünflächen – vor Hitzeinseln ist die Stadt trotzdem nicht sicher. (Foto: Ivan Jasiković/​Pixabay)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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