Die Berliner Mauer von Mexiko

Der gute Wille

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Die Berliner Mauer als Solar-Projekt? Hätte es etwas geholfen, wenn die DDR 1961 bereits preiswerte Photovoltaik-Anlagen zur Verfügung gehabt hätte und ein ostzonales Erneuerbare-Energien-Gesetz mit Einspeisevergütung? Wenn also der Ostberliner Staatsratschef Walter Ulbricht nicht hätte lügen müssen. Und statt "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen" gesagt hätte: "Natürlich haben wir die Absicht, eine umweltfreundliche, antifaschistische Solar-Mauer zu bauen."

Nein, es hätte nicht geholfen. Ein ganzes Land einzusperren und seine Bürger bei Fluchtversuchen umzubringen, wäre dadurch, dass die Mauer auch Ökostrom produziert, nicht akzeptabler geworden. Das liegt auf der Hand.

Und wenn Donald Trump sich für seine Mexiko-Mauer so etwas ausdenkt? Ist es auch keinen Deut besser. O-Ton US-Präsident, diese Woche in Iowa: "Die südliche Grenze: Viel Sonne, viel Hitze. Wir denken darüber nach, eine Mauer als Solar-Mauer zu bauen. So, dass sie Energie produziert. Und sich so selbst finanziert." Der Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko war ja einer der wichtigsten Wahlkampf-Trümpfe von Trump, nur ist die Finanzierung bisher noch völlig ungeklärt. Und da gefiel dem Präsidenten das Konzept eines Solarunternehmers aus Las Vegas für die Mexiko-Solarmauer so gut, das er sie gleich als sein eigene ausgab. "Ziemlich gute Vorstellung, oder? Meine Idee!"

Ernsthaft befasst hat Trump sich mit der Idee, natürlich, nicht. Experten haben ausgerechnet, dass es 125 Jahre dauern würde, bis die Vergütung für den produzierten Solarstrom die schlappen 28 Milliarden US-Dollar für Mauerbau und Solarmodule wieder hereingebracht hätte, Inflation und die Kosten der nach 30, 40 Jahren fälligen Solaranlagen-Erneuerung gar nicht mitgerechnet. Auch Trumps Hinweis, je höher die Mauer sei, desto größer der Solarertrag ("Denkt mal darüber nach, je höher sie wird, desto wertvoller wird sie") hilft nicht wirklich. Denn so hoch, dass sich das alles rechnet, kann die Mexiko-Mauer gar nicht werden. Die neun Meter, die bislang geplant sind, reichen bei Weitem nicht.

Das Ostberliner Regime ließ die Mauer vier Meter hoch ziehen. Trumps Solarvariante müsste wohl 90 Meter hoch werden, um Platz für genug Solarmodule zu bieten. Aber auch das funktioniert nicht, denn dann käme der Bau der Mauer noch viel, viel teurer. "Ziemlich gute Vorstellung?" Nein, nur eine irre Idee.

BildDie Berliner Mauer, hier im Jahr 1986, wäre durch Solarpaneele auch nicht besser geworden. (Foto: Thierry Noir/​Wikimedia Commons)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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