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Endlich Essen retten

Der gute Wille

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Der Joghurt im Kühlschrank ist abgelaufen. Ab in die Mülltonne. Die Bananen im Supermarkt haben schwarze Stipsen. Reif für den Abfallcontainer. Der Teller im Restaurant geht halb voll zurück. Wenn es gut geht, landet der Rest bei einem Biomüll-Entsorger, der daraus Agrogas und Dünger macht.

Seit Jahren beklagen Umwelt- und Verbraucherschützer, aber auch Politiker jeder Couleur den Widersinn, dass mit hohem Aufwand Nahrungsmittel hergestellt werden, um sie dann wegzuschmeißen. Nur: Getan wird dagegen zu wenig. Auch Aktionen wie die des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit dem Titel "Zu gut für die Tonne" sind zwar gut gemeint, eine Trendwende haben sie aber nicht gebracht. Noch immer werden in Deutschland rund 20 Prozent der Lebensmittel weggeworfen.

Die vermeidbaren Umwelt- und Klimaschäden, die dadurch entstehen, sind groß. Aktuelle Untersuchungen zeigen: Für den Essensmüll wird pro Bundesbürger und Jahr die Fläche von einem Drittel eines Fußballplatzes an Anbaufläche benötigt, zudem wird so viel Wasser verbraucht, dass man 84 Badewannen damit füllen könnte. Große Mengen Pestizide und Dünger werden nutzlos eingesetzt. Und es entstehen Treibhausgas-Emissionen, die einem Flug von Frankfurt am Main nach New York und zurück entsprechen. Noch gar nicht eingerechnet ist hierbei die Energie, die für Weiterverarbeitung und Transport verbraucht wird.

Die Vereinten Nationen haben das Ziel ausgegeben, die Menge der Lebensmittel-Abfälle bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Nun hat sich das Europäische Parlament des Themas angenommen und die EU-Kommission aufgefordert, dafür endlich konkrete Schritte einzuleiten. An jeder Stelle der "Lebensmittelkette" müsse angesetzt werden, fordern die Abgeordneten – von der Produktion über Verarbeitung, Transport, und Lagerung bis zum Einzelhandel und zum Verbrauch. Ein konkretes Beipiel sind Steuerbefreiungen für Lebensmittelspenden, um Supermärkte und Restaurants zu animieren, ihre nicht mehr verkäufliche Ware kostenlos anzugeben – an Initiativen von "Lebensmittelrettern" wie Foodsharing, The Good Food oder Sirplus.

Privatleute könnte vielleicht die Berechnung überzeugen, die der CDU-Europaabgeordnete Karl-Heinz Florenz angestellt hat: "Für jeden Euro, den wir zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung investieren, können wir 265 Kilo verschwendete Lebensmittel im Wert von 535 Euro einsparen." Pro Bundesbürger werden übrigens so viele Lebensmittel weggeworfen, dass damit im Jahr zwei volle Einkaufswagen zu füllen wären – im Wert von 230 Euro.

BildErst mal zugreifen, das ist bei uns so einprogrammiert. Oder doch nicht? (Foto: Martin Abegglen/​Flickr)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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