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Bürger voll auf Umweltschutz geeicht

Der gute Wille

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"Wir müssen Wege finden, wie wir unabhängig vom Wirtschaftswachstum gut leben können." Wer sagt so etwas? Wir. Das heißt: Immerhin 91 Prozent von uns Bundesbürgern. So ermittelte es das Umweltbundesamt (UBA) in seiner aktuellen Umfrage zum Umweltbewusstsein der Deutschen, die alle zwei Jahre gemacht wird. Erstaunlich, wie konsumskeptisch, wirtschaftskritisch und ökologisch zukunftsgewandt wir Bundesbürger uns gebärden, wenn man uns fragt – und wir in einer stillen Stunde die Zeit finden, in Ruhe darüber nachzudenken, auf was es ankommt.

Nicht nur das Wachstumscredo wackelt. Es müssten "jetzt schnell Maßnahmen gegen den Klimawandel" ergriffen werden, "denn sonst werden die Folgen so massiv sein, dass wir sie nicht mehr bewältigen können", meinen immerhin 88 Prozent. Und kein Wunder, die derzeitige "Wirtschafts- und Lebensweise" kommt auch nicht gut weg. Sie müsse "grundlegend" umgestaltet werden, denn nur dann könnten unsere Umweltprobleme gelöst werden. Das glauben mehr als drei Viertel.

"Grundsätzlich ist die Idee der Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen" – so lautet das Fazit des UBA. Umweltschutz werde nicht mehr als isoliertes Politikfeld wahrgenommen, sondern als Teil der Lösung. Die Zahlen sprechen für sich. Zwei Drittel der Befragten sehen Umweltschutz als notwendige Voraussetzung, um Zukunftsaufgaben wie die Globalisierung positiv gestalten zu können. Viele Zeitgenossen betrachten Umweltschutz zudem als Voraussetzung für Wohlstand (58 Prozent), Wettbewerbsfähigkeit (51) und neue Jobs (48). Ein bemerkenswerter Umschwung: Noch in der UBA-Studie von 2010 war die Mehrheit der Befragten der Meinung gewesen, Umweltschutz müsse eingeschränkt werden, um Fortschritte in den anderen Bereichen zu ermöglichen.

Der einzige Haken an der schönen Geschichte: Das Bewusstsein ist das eine, das Handeln etwas anderes. Im tatsächlichen Konsumverhalten von uns Bürgern zeigt sich nämlich "noch keine wirkliche Trendwende". Das schreibt das UBA in seinem jüngsten Jahresbericht. Danach greifen zu wenige zu ökologisch vorteilhafteren Produkten. Die Gründe: Informationsmängel, Vorbehalte, teilweise höhere Preise.

Schlagendes Beispiel: Die Bundesbürger wünschen sich laut Umfrage, weniger vom Auto abhängig zu sein, doch gleichzeitig steigen die Zulassungszahlen für Neuwagen, und ausgerechnet der SUV-Anteil geht nach oben. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger folgert daraus: "Die Menschen sind bereit, auf das Auto zu verzichten, aber sie brauchen gute Alternativen." Da braucht es nur noch Politiker, die den Mumm dazu haben. Und die müssen wir wählen.

BildMachen wir uns frei vom Zwang nach Wirtschaftswachstum! So denkt die Mehrheit der Deutschen. (Foto: Jami Deutsch/​Pixabay)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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