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Kein Wunder: Das Glyphosat-Testat der Europäischen Chemikalienagentur (Echa) ließ die Herbizid-Produzenten jubeln. Nicht krebserzeugend, nicht erbgutverändernd und auch nicht schädlich für die Fortpflanzung – so lautete das Urteil der in Helsinki ansässigen Behörde über den Unkrautkiller, der weltweit am meisten verkauft wird und in Deutschland auf rund 40 Prozent der Äcker landet. "Die wissenschaftlichen Argumente, die für eine erneute Zulassung von Glyphosat sprechen, sind erdrückend", kommentierte die "Arbeitsgemeinschaft Glyphosat", in der sich mehrere Produzenten zusammengeschlossen haben, darunter der deutsche Ableger von Monsanto, dem Erfinder des Totalherbizids.

Die Bewertung der Echa ist überaus wichtig. Denn in der Tat dürfte die EU dem Spritzmittel, das unter Markennamen wie "Roundup" oder "Touchdown" verkauft wird, nun auch über 2017 hinaus das Okay erteilen. Das freilich wäre nicht nur wegen der ungeklärten Krebsrisiken ein fatales Signal; die Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht es immerhin als "wahrscheinlich" an, dass es sie gibt. Es wäre auch das Sinnbild dafür, dass die EU am Modell der industriellen Intensiv-Landwirtschaft nichts ändern will, die ohne den massiven Einsatz der chemischen Helfer wie Totalherbizide und Kunstdünger nicht auskommt.

Der "moderne" Agrarsektor trägt maßgeblich zum Rückgang der Artenvielfalt bei, außerdem hat er einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Klimawandel. In Deutschland gehen 15 bis 17 Prozent der Treibhausgase auf sein Konto. Dass eine "grünere" Landwirtschaft nötig ist, ist also keine ökoromantische Spinnerei, sondern liegt auf der Hand. So hat zum Beispiel die UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung, Hilal Elver, generell ein Zurückdrängen der pestizidbasierten Landwirtschaft gefordert, und selbst die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) setzt sich für mehr guten Ackerbau statt unbedachter Glyphosat-Nutzung ein.

Die "Arbeitsgemeinschaft Glyphosat" indes spürt Oberwasser. Man hoffe, dass "die überaus emotionalen und unsachlichen Debatten zu diesem Thema jetzt der Vergangenheit angehören", meinte sie. Trotzdem wird es weiter Debatten geben. Es muss sie geben, sachliche natürlich, gerade auch nach dem Fast-Freibrief, den die EU-Chemikalienagentur ausgestellt hat. Denn die Echa befand weiter, Glyphosat könne Augenschädigungen hervorrufen und sei giftig für die Wasser-Ökosysteme mit lang anhaltenden Folgen. Eine echte Entwarnung sieht anders aus.

BildDie industrielle Landwirtschaft ist in Deutschland für rund ein Sechstel der Treibhausgase verantwortlich. (Foto: Schulze von Glaßer)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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