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Der neue Donaldismus

Der gute Wille

BildDonaldismus? Früher war das eine nette Skurrilität. Es ging um Donald Duck und seine Familie, Freunde und Feinde, um Dagobert Duck, Tick, Trick, Track, Daisy, Daniel Düsentrieb und die Panzerknacker. Die Donaldisten, von denen es gerade in Deutschland viele gibt, beschäftigten sich mit der Erforschung der familiären, soziologischen und gruppendynamischen Prozesse im Entenhausen-Kosmos. Alles dreht sich dabei um den Choleriker, Pechvogel und Verlierer, den Wutbürger Donald, der doch ein Sympathieträger ist.

Heute gibt einen anderen Donaldismus. Es geht um Donald Trump, seine Milliardärs-Regierung, seinen Rechtsaußen-Einflüsterer Steve Bannon, und auch der Donaldismus 2.0 hat in Deutschland mehr Sympathisanten, als man ahnt.

Postfaktisch denken und postfaktisch regieren ist nicht nur in den USA salonfähig geworden, das neue donaldistische Prinzip "Wahr ist, was ich glaube" vernebelt auch hierzulande viele Hirne. Das zeigt sich auch beim Klimaschutz, den Trump einst für von den Chinesen erfunden hielt.

Es ist bei uns zwar noch nicht so schlimm wie in den USA, wo laut einer Studie vom letzten Herbst 75 Prozent der Trump-Wähler glauben, dass es keinen menschengemachten Klimawandel gibt. Doch immerhin auch 16 Prozent aller Deutschen sind "Klimaskeptiker", wie eine aktuelle Umfrage zur Klima- und Energiepolitik in Europa zeigt. Und man geht wohl nicht fehl, dass in Protestwähler-Kreisen Werte wie in der Trump-Anhängerschaft erreicht werden. Nicht von ungefähr hat sich die AfD als Partei positioniert, die "die positive Wirkung des CO2" beschwört und die den "Irrweg" der Klimaschutzpolitik beenden und das EEG "ersatzlos" abschaffen will.

Aber wie kann das sein, dass ausgerechnet im Land, das die "Energiewende" erfunden hat, der Anteil der Klimawandel-Leugner höher ist als in den anderen untersuchten Ländern? In Großbritannien sind es (immerhin auch) zwölf, in Frankreich aber nur sechs und in Norwegen nur vier Prozent. Die Macher der Umfrage vermuten: Es liegt daran, dass satte drei Viertel der Deutschen glauben, der Klimawandel sei in der Wissenschaft umstritten. Das Gegenteil ist nämlich richtig, verschiedene Studien haben gezeigt, dass im Schnitt rund 97 Prozent der Klimaforscher keinen Zweifel daran haben, dass die rasante globale Erwärmung menschengemacht ist. Viele Deutsche vermuten einen Dissens, wo es gar keinen gibt.

Was also tun? Professor Ortwin Renn, Direktor des Potsdamer Nachhaltigkeitsinstituts IASS, fordert, die Wissenschaftler müssten ihre Erkenntnisse besser vermitteln und nachvollziehbar erklären. In der öffentlichen Debatte sollten sie auch stärker auf Emotionen setzen. Doch Vorsicht, letzteres kann auch schiefgehen. Mit Emotionen ist es eine schwierige Sache, die können auch schaden. Da muss man nur Donald fragen.

BildDonald ist cholerisch und wird schnell wütend – wie sein Namensvetter. (Foto: Jeanine Williams/​Flickr)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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