Lasst die Sonne nachts scheinen!

Der gute Wille

Bild"Es ist so, als ob wir die Sonne abends um acht Uhr anzapfen können, wenn der Bedarf an größten ist." Josh Gerber, der das sagt, ist Ingenieur bei San Diego Gas & Electric, dem zweitgrößten Stromkonzern im US-Bundesstaat Kalifornien. Vorige Woche hat er in der Stadt Escondido eine technologische Errungenschaft vorgestellt, die einen Blick in die solare Energiezukunft gibt: die weltgrößte Batterieanlage.

Sie speichert den mittags im Imperial Valley geernteten Solarstrom und gibt ihn später wieder ins Netz ab – wenn die Kalifornier vom Job nach Hause gekommen sind und kollektiv Mikrowelle, TV und Computer anschalten.

Die Anlage sieht völlig unspektakulär aus, aber sie hat es in sich. Mit ihr dringt die Batterie-Speicherung in eine neue Dimension vor. In 24 Großcontainern sind 480.000 Batteriezellen gestapelt, die 100 Megawattstunden Strom speichern können.

Diese Kapazität reicht aus, um 20.000 Haushalte für vier Stunden zu versorgen. Die Module haben einen Wirkungsgrad von 90 Prozent, das heißt, nur wenig von der gespeicherten Energie geht verloren. Und die Anlage hat einen weiteren Vorteil: Der Strom kann sehr schnell aufgeschaltet werden, wenn er gebraucht wird.

Dass ein Großspeicher wie der in Escondido möglich wurde, liegt am Preisverfall bei Batterien. Die Zellen kosten nur noch halb so viel wie vor fünf Jahren, und es wird erwartet, dass sie in den nächsten fünf Jahren noch einmal um 30 bis 50 Prozent billiger werden.

Ingenieur Gerber räumt freimütig ein, dass die kalifornischen Stromversorger dabei von der Autoindustrie und hier speziell den Investitionen des E-Autobauers Tesla profitieren. Tesla-Chef Elon Musk hat im US-Bundesstaat Nevada eine riesige Fabrik für Lithium-Ionen Batterien bauen lassen. Dank der Autobranche und Musk sei man nun in der Lage, Solarstrom zu speichern, lobt Gerber. "Wir fahren auf dem Trittbrett mit."

Aber ist der gespeicherte kalifornische Solarstrom tatsächlich schon konkurrenzfähig?

Bei ähnlichen, aber deutlich kleineren "Großspeicher"-Testanlagen in Deutschland ist man davon noch weit entfernt. Gefragt nach den tatsächlichen Kosten, hält San Diego Gas & Electric sich bedeckt, angeblich aus Konkurrenzgründen. Doch in Kalifornien glaubt man offenbar an die Technik. Bis 2020 soll ein weiterer Megaspeicher mit einer Kapazität für 80.000 Haushalte den Betrieb aufnehmen, an der Küste in Long Beach.

Dass das Projekt kippen könnte wegen der Trumpschen Energiewende rückwärts, glaubt Gerner nicht: Kaliforniens Gouverneur John Brown habe ja klar gesagt, er werde seinen Kurs der nachhaltigen Energiepolitik nicht ändern.

BildHier im kalifornischen Long Beach soll bis 2020 eine weitere Großbatterie entstehen. (Foto: Jon Sullivan/​Wikimedia Commons)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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