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Spontanheirat mit Ökostrom

Der gute Wille

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Weihnachten in Las Vegas? Viele US-Amerikaner finden das super, auch wenn die Hotels und Restaurants sie dann noch kräftiger als sonst zur Kasse bitten.

Ein Besuch im Casino, ein Sechs-Gänge-Christmas-Dinner, gepflegter Alkoholmissbrauch in Gruppen, vielleicht eine Spontanheirat – und was man sonst gerne macht in der Glitzerstadt in der Wüste von Nevada. Wem dabei ein klein bisschen mulmig ist wegen des gigantischen Energieverbrauchs dieser Glitzer-Metropole mit ihren knapp zwei Millionen Einwohnern und 40 Millionen Touristen jährlich, der kann jetzt aufatmen: Las Vegas ist neuerdings die größte Ökostrom-Stadt der USA.

Boulder Solar 1, ein riesiges Solarkraftwerk, ist in der Wüste außerhalb der Stadt gebaut worden, kürzlich erfolgte der Netzanschluss, und damit verfügt Las Vegas nun über genug Ökostrom-Kapazitäten, um den Strombedarf aller öffentlichen Einrichtungen zu decken.

Ob Rathaus, Bürgerhaus, Beleuchtung für Straßen und Parks – dafür werde nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen genutzt, verkündete Bürgermeisterin Carolyn Goodman diese Woche auf einer Pressekonferenz. "Das ist wirklich ein Tag, auf den wir stolz sein können", sagte sie. "Wir sind nun eine der wenigen Städte weltweit, die sämtliche Energie aus grünen Quellen bezieht."

Das hört sich gut an, kann aber falsch verstanden werden. Denn es gilt zwar für den Strom, den die Stadtverwaltung nutzt, nicht aber für den Rest des Elektrizitätsverbrauchs in der Metropole, und der liegt naturgemäß bedeutend höher. Allerdings muss man den Stadtoberen zugute halten, dass sie sich seit 2008 mit Erfolg um Energieeinsparung bemühen.

Der Stromverbrauch der gesamten Stadt liege heute um fast ein Drittel niedriger, und inzwischen hat auch eine Reihe Casinos angekündigt, künftig sukzessive auf Ökostrom umzustellen. Der CO2-Fußabdruck von Las Vegas ist nach den offiziellen Angaben heute nur noch so groß, wie er anno 1950 war – und das trotz der stark gewachsenen Bevölkerung und der Aufrüstung im Tourismus.

Und noch eine positive Seite hat das Ergrünen des kommunalen Stroms: Mit dem vollständigen Umstieg auf Solar-, Wind- und Wasserkraft spart die Stadtverwaltung nun rund fünf Millionen Dollar Stromkosten pro Jahr.

Las Vegas ist natürlich nicht die einzige Kommune in den USA, die saubere Energie pusht. Burlington, Virginia, Aspen und Colorado haben bereits 100 Prozent Ökostrom, andere wollen die Umstellung in den nächsten Jahren schaffen, zum Beispiel die Metropole San Francisco.

Kurz nach der Präsidentschaftswahl haben die Bürgermeister von immerhin 48 US-Großstädten einen offenen Brief an Donald Trump geschrieben. Sie wollten mit dem Klimaschutz weitermachen, ließen sie ihn wissen – und zwar mit oder ohne Unterstützung aus Washington.

BildLas Vegas ist nicht vorstellbar ohne seine Beleuchtungsexzesse. Doch offenbar geht das auch mit geringerem Stromverbrauch. (Foto: Anthony Arrigo/​Flickr)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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