Schwerpunkte

G20 | Trump | Wahl

Das Gärtlein der "First Daughter"

Der gute Wille

Bild

Die "First Lady" der USA ist nicht nur Verzierung. Hillary Clinton pushte die Idee der allgemeinen Krankenversicherung, als ihr Mann Bill Präsident war. Michelle Obama ist zwar hauptsächlich für ihren Gemüsegarten am Weißen Haus bekannt, aber auch dahinter steht ein politisches Konzept – der Kampf gegen die fetttriefende Fast-Food-Kultur.

Und nun also Ivanka Trump, die "First Daughter", die Tochter des Präsidenten-Milliardärs, die schon im Wahlkampf ihres Vaters die Fäden zog. Sie gilt als – vergleichsweise – liberal, besonnen, warmherzig. Und sogar, beinahe, als Klimaschützerin.

Nicht Trumps dritte Ehefrau Melania (genau: die, die eine Parteitagsrede bei Obamas Frau abgekupfert hatte), sondern seine Tochter aus erster Ehe werde die Rolle der "starken Frau hinter ihm" spielen, so wird spekuliert. Das 35-jährige Ex-Model, die Mutter dreier Kinder und Lenkerin des Immobiliengeschäfts ihres Vaters, hat angeblich auch bei inhaltlichen Fragen Einfluss auf den Präsidenten in spe.

Und als sie im New Yorker Trump-Tower kürzlich Treffen mit dem Klimapapst Al Gore und dem Filmstar und Klimaaktivisten Leonardo DiCaprio arrangierte, an denen Trump höchstpersönlich teilnahm, schien doch noch alles gut zu werden. Ivanka – die Frau, die den Klimaskeptiker im mächtigsten Amt der Erde auf den Boden der Tatsachen holt.

Motto: Wenn Trump schon keine Mauer, sondern nur einen Zaun baut, um die Mexikaner fernzuhalten, wenn er Obamacare, die Krankenversicherung, nun doch nicht so ganz einstampft, warum sollte er dann nicht auch den Klimawandel wenigstens ein klein bisschen für real halten? Und so kam es denn auch. Es gebe da vielleicht wohl doch "some connectivity" – also "eine gewisse Verbindung" – zwischen dem Handeln der Menschen und der globalen Erwärmung, ließ Trump sich vernehmen. Früher hatte er den Klimawandel noch als "Erfindung der Chinesen" bezeichnet, die damit die US-Wirtschaft schaden wollten.

Wetten, die "First Daughter" wird trotzdem nur ein kleines Klima-Eckchen in der hintersten Ecke des Gartens am Weißen Haus kriegen. Denn Papa Trump wird kaum die Zeit finden, DiCaprios eindrücklichen Klima-Film "Before the Flood" anzuschauen. Denn er ist damit beschäftigt, noch all die Klimawandel-Skeptiker in seiner Administration unterzubringen, die ihn im Wahlkampf unterstützt haben.

Den Chefposten der ihm so verhassten nationalen Umweltbehörde EPA hat er ja schon mit einem ebensolchen, Scott Pruitt, besetzt. Pruitt hat die Behörde, die er nun leiten soll, als Generalstaatsanwalt des energiereichen Bundesstaats Oklohama wegen des von Barack Obama gewollten Kohleausstiegs verklagt. Es sei so, "als ob man Brandstifter mit der Brandbekämpfung beauftragt", ätzte ein US-Umweltverband.

BildBye-bye. Zu viel mehr als zur Pusteblume wird es nicht reichen, wetten? (Foto: Waldemar Merger/Flickr)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

Zur Kolumnen-Übersicht

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen