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Lieber Liebe schenken

Der gute Wille

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Süßer die Kassen nie klingeln. Und voller die Paket-Lieferwagen nie fahren. Es ist Advent. Die besinnliche Zeit vor Weihnachten. Sie bedeutet Stress, zwar weniger für die Geschenkekäufer, seit es Online-Shopping gibt. Aber mehr für die Paketzusteller, die Überstunden kloppen. Und natürlich für die Umwelt, die mit Dieselruß aus den Lieferwagen eingenebelt wird und einen adventlichen Schub an CO2-Emissionen schlucken muss.

Kurz vor dem Fest der Freude, respektive Geschenke, werden pro Tag mehr als zehn Millionen Päckchen und Pakete ausgeliefert. Klappt die Zustellung beim ersten Mal, wiegt jede Lieferung im Schnitt fast 300 Gramm zusätzlich – nämlich durch das Gewicht des ausgestoßenen Kohlendioxids, das damit verbunden ist.

Doch selten genug klappt sie. Nur bei jedem zweiten Zustellversuch ist der Besteller zuhause oder ein Nachbar bereit, die Lieferung anzunehmen. Mit jedem weiteren Versuch steigt das Emissions-Budget. Muss der Postmann dreimal klingeln, sind es schon über 1,1 Kilogramm CO2.

Fast genauso viel Treibhausgas fällt übrigens an, wenn der Kunde das Päckchen oder Paket nach erfolgloser Zustellung am Ende selbst in der Postfiliale abholen muss. Und auch, wenn Paketshop oder Packstation genutzt werden, ist die Bilanz mit fast 850 Gramm CO2 nicht viel besser. Das scheint erstaunlich, ist aber leicht nachvollziehbar. Denn hier kommt ja die private Fahrt des Bestellers hinzu, um die Lieferung abzuholen. Und der nimmt meist nicht sein Fahrrad, sondern das Auto.

Die CO2-Zahlen stammen vom Logistik-Unternehmen Pakadoo, das eine Idee für einen ganz neuen Zustellweg im Zeitalter arbeitender Singles und Doppelverdiener umsetzt. Sie können, wenn ihr Arbeitgeber mitmacht, private Pakete direkt im Büro annehmen. Die Mehrfach-Zustellversuche zuhause fallen dann weg und die CO2-Bilanz ist besser – wenn denn stimmt, was der Logistiker mitteilt: Die Lieferung schlägt laut Pakadoo nur mit 58 Gramm pro Paket zu Buche. Der Clou dabei: Geschäftliche und private Zustellungen können gebündelt werden, sodass viele Fahrten wegfallen – und damit der entsprechende CO2-Ausstoß.

Auch die großen Lieferdienste wissen natürlich, dass das bisherige Lieferprinzip bei weiter steigenden Bestellzahlen auf den Verkehrs- und Umwelt-GAU zusteuert. Sie experimentieren daher mit Drohnen, Robotern oder E-Bikes. Demgegenüber ist die Zustellung am Arbeitsplatz wirklich keine schlechte Idee, und ihr Erfinder, der Logistik-Experte Markus Ziegler, hat dafür Anfang des Jahres auch einen Logistik-Preis gewonnen.

Nur eines spielt in all den Überlegungen keine Rolle. Man könnte ja auch einfach weniger bestellen. Und Liebe schenken. Ist auch billiger.

BildJust in time auch noch am 24. Dezember – das große Versprechen der Online-Branche nimmt wenig Rücksicht auf die CO2-Bilanz. (Foto: C.G. Hughes/Flickr)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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