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Tempolimit bei der Bahn

Der gute Wille

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Mal was Positives über die Deutsche Bahn? Gerne. Hier: Die Bahn ist lernfähig. Sie nimmt Abschied vom Tempowahn, und sie spart Energie.

Als die DB in den 1980er Jahren das ICE-Netz aufbaute, war Tempo noch absolut Trumpf. "Doppelt so schnell wie das Auto, halb so schnell wie das Flugzeug", so lautete 1991 der Werbespruch für den ICE 1, der 250 Sachen schaffte. Hoch hinaus wollte der Staatskonzern damals, es handele sich um das "Raumfahrtprogramm der Bahn". Und in der Tat, beim ICE 3, der seit 1999 fährt, verfiel er dem Temporausch dann ganz. Der Zug schafft sogar Tempo 330. Und das, obwohl eine solche Spitzengeschwindigkeit im deutschen Netz mit seinen vergleichsweise kurzen Halteabständen wenig Sinn macht.

Damals gab es Umweltschützer, die forderten dreist ein "Tempolimit für den ICE". Ihre Argumente: Die auf so hohes Tempo ausgelegten Züge sind zu schwer und schlucken unnötig viel Strom. Außerdem: Es komme ja gar nicht darauf an, möglichst schnell von ICE-Bahnhof zu ICE-Bahnhof zu rasen, sondern zügig und komfortabel von Tür zu Tür zu reisen. Was die Bahn-Oberen aber wohl nicht interessiere. Das Bahnnetz in der Fläche schrumpfte damals rasanter denn je, zu jedem Fahrplanwechsel wurden Strecken stillgelegt.

Nun ist plötzlich alles anders, wenigstens beim Tempo-Zug. Der ICE 4, der ab Dezember 2017 eingesetzt werden soll, ist "nur" noch für Tempo 250 ausgelegt. Er verbraucht, pro Sitzplatz gerechnet, 22 Prozent weniger Strom, wie die Bahn stolz im neuen Heft des Kundenmagazins DB mobil verkündet. Aber auch sonst ist das neue DB-Flagschiff eine Demonstration des Umdenkens. Es gibt ein Gepäckregal, in dem man, anders als heute, auch größere Koffer ohne Verrenkung unterbringen kann. Ja, und sogar Fahrräder kann man mitnehmen. Erstmal nur acht pro Zug, aber immerhin. Bisher auch ein Tabu.

Es könnte nun also alles gut werden – nämlich, wenn die DB auch sonst umdenken würde. Denn dafür böte sich noch so einiges an. Zum Beispiel, die Konzentration auf sündteure Prestigeprojekte wie den U-Bahnhof Stuttgart 21 aufzugeben und wie in früheren Jahrzehnten eine Flächenbahn mit großem, engmaschigem Netz und wieder viel mehr Bahnhöfen zu werden. Allerdings in Version 2.0, das heißt mit innovativen Angeboten, die einen Komfort wie beim Autofahren ohne dessen Nachteile bieten.

Dafür bräuchte es, klar, auch eine andere Verkehrspolitik. Einen mutigen Bundesverkehrsminister, der ein Signal setzt. Der zu Beispiel sagt: Stuttgart 21 war ein Fehler; lasst uns "oben bleiben". Und Politik für das Klimaschutz-Jahrhundert macht.

Ein Traum nur. Aber schön.

BildEs könnte alles gut werden, wenn die Bahn umdenken würde. (Foto: Schulze von Glaßer)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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