Die Rockefellers steigen aus

Der gute Wille

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Der Ölkonzern Exxon Mobil reagiert sehr gereizt. Es sei nicht überraschend, dass die Rockefeller-Familie ihre Anteile an der Firma verkaufen wolle. Die Nachkommen des Öl-Magnaten John D. Rockefeller finanzierten schließlich bereits "eine Verschwörung gegen uns", sagte ein Konzernsprecher, als die Nachricht jetzt publik wurde. Soll heißen: Wenn die ihre Aktien verkaufen, ist es nicht schade.

Aber es ist eben ein Signal. Denn es ist ja nicht irgendwer, der sich von den Exxon-Aktien verabschiedet. Patriarch Rockefeller, der als reichster Mann aller Zeiten gilt, hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Erdöl-Multi Standard Oil aufgebaut. Der Konzern, der eine Monopolstellung in den USA erreichte, wurde 1911 in 34 Firmen zerschlagen. Eine der Nachfolgefirmen ist Exxon Mobil.

Der Rockefeller Family Fund (RFF) folgt mit seiner Verkaufsentscheidung dem größeren Rockefeller Brothers Fund, dessen Abkehr von fossilen Energien vor zwei Jahren bereits viel Aufsehen erregte. Doch der RFF attackiert Exxon Mobil frontal. Er begründete den Schritt mit dem Verdacht, der Konzern habe die Öffentlichkeit seit Jahrzehnten über die Gefahren der Ölnutzung für das Weltklima getäuscht. Dieses "moralisch verwerfliche" Verhalten sei nicht tolerabel. Der Fonds forderte die Energiekonzerne nicht nur auf, die Suche nach neuen Vorkommen von Öl, Kohle und Gas abzubrechen, sondern auch, den Großteil der bekannten Reserven im Boden zu lassen.

Exxon Mobil kommt freilich nicht nur von dieser Seite unter Druck. Der Konzern, der seine Macht über Jahrzehnte gegen mehr Klimaschutz einsetzte, unter anderen das Kyoto-Protokoll bekämpfte und "Klimaskeptiker" finanzierte, ist auch von der US-Börsenaufsicht SEC ins Visier genommen worden. Sie verdonnerte das Unternehmen, auf der nächsten Hauptversammlung Ende Mai eine Erklärung zu den Risiken seines fossilen Geschäftsmodells zu veröffentlichen.

Großaktionäre hatten die SEC dazu aufgefordert, darunter die Pensionsfonds der US-Bundesstaaten New York und Vermont. Nur dann könnten die Anleger ihr Aktienrisiko einschätzen und Fehlinvestitionen vermeiden. Exxon Mobil argumentierte zwar, man habe 2014 solche Informationen auf der Homepage veröffentlicht. Doch der SEC reichte das nicht.

Das New Yorker Beratungsunternehmen Mercer erwartet, dass die Börsenbewertungen der Ölbranche bis 2050 um zwei Drittel und die der Kohlebranche um drei Viertel sinken. Allerdings: Nimmt die Weltgemeinschaft das Ziel des Pariser Klimagipfels ernst, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, dürfte es die Öl- und Kohlekonzerne dann gar nicht mehr geben. Die Rockefeller-Familie immerhin hat das erkannt.

BildDie Rockefellers verlassen das "sinkende Ölgeschäft". (Foto: US Coast Guard/Wikimedia Commons)

Joachim Wille ist Meinungsredakteur des Online-Magazins klimaretter.info 

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