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Prinz Charles auf Balkonien

Der gute Wille

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Balkonien. Ferien zuhause. Dahoam is dahoam. Ein neuer Trend. Richtig: Manche tun es, weil sie das nötige Kleingeld nicht haben. Dann ist das zwar klimafreundlich, aber nicht gut. Rund ein Viertel der Deutschen fahren in der Ferienzeit nicht weg, weil sie sich einen Urlaub schlicht nicht leisten können. Aber es soll auch immer mehr Menschen geben, die in den "schönsten Wochen des Jahres" freiwillig mehr oder minder ortsfest bleiben, obwohl sie genug Knete hätten, nach Malle oder auf die Seychellen zu düsen. Die Hier-Erholer.

Wirklich klima- und umweltfreundlich Urlaub zu machen ist schwierig. Der Tourismus ist allein für rund fünf Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, hat die Welttourismus-Organisation ausgerechnet. Okay, natürlich kann man direkt von zuhause loswandern, um in ein paar Tagen den nächsten Fern-Wanderweg zu erreichen. Oder sich auf das Fahrrad klemmen, durch vollgeparkte Straßen und über öde Landstraßen kurven, bis der Donau-Radweg erreicht ist, den man immer schon mal abfahren wollte. Aber wer macht das schon? Kaum einer.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das Fahren oder Fliegen, um dorthin zu kommen, wo es schön, angeblich schön oder zumindest anders als zuhause ist, verbraucht nun einmal eine Menge Sprit. Ein Auto erzeugt für jeden gefahrenen Kilometer pro Person im Schnitt rund 100 Gramm CO2, ein Flugzeug rund 300 Gramm und bei Kreuzfahrtschiffen können es – pro Passagier! – sogar über 400 sein. Wer die Emissionen seines letzten Traumurlaubs in Rio neutralisieren wollte, müsste seine Wohnung ein paar Jahrhunderte lang mit LED statt mit Glühbirnen beleuchten. Das ist lange hin.

So manchen treibt das Thema um. Den britischen "Öko-Prinz" Charles zum Beispiel. Als der vor ein paar Jahren eine Karibik-Reise plante, wählte er extra aus Klimaschutzgründen statt des Flugzeugs eine Yacht, um von Insel zu Insel zu schippern. Doch er hatte sich verkalkuliert. Statt wie erhofft 40 Prozent CO2 einzusparen, pustete die angemietete Yacht sogar die mehrfache Menge des Treibhausgases in die Luft. Die Yacht werde so viel CO2 produzieren wie ein paar hundert Charles-Flüge von London nach New York, rechneten Umweltschützer vor.

So geht es also nicht. Charles wäre besser zuhause geblieben. Eine kleine Radtour mit Camilla an der Themse entlang, dann ein bisschen rudern, vielleicht einen Abstecher in den Baumarkt, wenn es auf seinem Öko-Landgut Highgrove in Gloucestershire was zu reparieren gibt. Das wäre es gewesen. Zumal die Angestellten dort froh sind, wenn in der entvölkerten Ferienzeit überhaupt mal ein royaler Kunde oder eine royale Kundin reinschaut. Gut fürs Klima und für die lokale Wertschöpfung. Übrigens auch hierzulande, wie durch Ferien-zuhause-Fans verbürgt ist.

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Der Prinz mit Ehefrau Camilla beim Besuch des Eden Project, eines botanischen Gartens bei Bodelva in Cornwall. Als Auch-Herzog und Herzogin von Cornwall können die beiden den Trip fast als Balkon-Urlaub verbuchen. (Foto: www.princeofwales.gov.uk)

Joachim Wille ist Meinungsredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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