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Die verflixten 40.000

Reimers kleine Zahlenkunde

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Monatlich gibt die Bundesnetzagentur den Stand der Energiewende bekannt – zumindest was den solaren Umbau unserer Stromversorgung betrifft. Um die Energiewende "planbarer" zu machen, hatte die Große Koalition 2014 einen sogenannten Ausbaukorridor beschlossen: Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz sollte demnach der Zubau von 2.400 bis 2.600 Megawatt fürs Gesamtjahr gefördert werden. Und zwar so lange, bis 50.000 Megawatt Solarkraft installiert sind.

Und? Wo stehen wir aktuell? Nach den Daten der Netzagentur wurden im April deutschlandweit Solaranlagen mit 82,8 Megawatt Spitzenleistung neu ans Netz gebracht – so wenige wie zuletzt vor neun Jahren in einem April. Damit wurden in den ersten vier Monaten 2016 Sonnenstromkraftwerke mit 294,1 Megawatt Spitzenleistung neu installiert.

Damit gibt es keine Chance mehr, den regierungsamtlichen Zielwert in diesem Jahr zu erreichen. Das zeigt das Vorjahr. 2015 wurden in den ersten vier Monaten noch 416,1 Megawatt neu installiert. Weil aber die Förderung so drastisch zusammengestrichen ist, dass sich Solarkraft einfach nicht mehr lohnt, kamen im vergangenen Jahr statt 2.600 Megawatt lediglich 1.450 Megawatt hinzu.

Deutschland verschlechtert den Durchschnitt

Eine Zielverfehlung im dritten Jahr in Folge: 2014 lagen die Zubauwerte mit 1.899 Megawatt bereits zum ersten Mal deutlich hinter der Zielmarke. Damit sind jetzt in Deutschland EEG-geförderte Sonnenkraftwerke mit einer Leistung von 39.992 Megawatt am Netz. Die Schallmauer 40.000 will einfach nicht fallen.

Die Analyse ist einfach: Falsche Politik hat zum rapiden Einbruch beim Solarausbau geführt. Aber das könnte die Regierung nun ja ändern: Am morgigen Mittwoch will das Bundeskabinett die jüngste Novelle des EEG beschließen. Kluge Politik besteht darin, Fehler zu korrigieren. Die Abweichung vom Zielkorridor im dritten Jahr in Folge ist ja nun offensichtlich.

Statt jetzt aber die Solar-Tarife so zu ändern, dass sich wirklich wieder etwas Richtung "Energiewende" bewegt, führt die Politik auch bei der Windkraft einen "Ausbaukorridor" ein. Die Einspeisevergütung wird so "angepasst", dass viele derzeit geplante Windparks unwirtschaftlich werden. Selbst bereits am Netz befindliche müssen herbe Einbußen befürchten.

Mit welchem Ziel die Regierung in der Windkraft einen "Ausbaukorridor" einführt? Um ihn zu verfehlen! Denn die Windkraft war zuletzt die einzige Technologie, die die Energiewende noch voranbrachte. Und damit soll jetzt Schluss sein.

BildEinen Lichtblick! Bitte, liebe GroKo, einen Lichtblick! (Foto: Reimer)

Nick Reimer ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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