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Weniger Kohlestrom, teure Trump-Bremserei und lustige Tweets zum Obama-Abschied

Jetzt immer sonntags: Unsere Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Claudia Kemfert, Professorin für Energiewirtschaft und Chefin des Energie- und Umweltbereichs am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW.

Kemferts Woche

Bildklimaretter.info: Frau Kemfert, beim Klimagipfel in Marrakesch hat der vom Bundeskabinett beschlossene "Klimaschutzplan 2050" viel Lob eingeheimst, trotz seiner Lücken. Besser so ein Klimaplan von einem führenden Industrieland als gar keiner, meinten kritische NGOs. Sehen Sie das auch so?

Claudia Kemfert: In diesen bewegten Zeiten ist der deutsche Klimaschutzplan ein wichtiges Signal für die internationale Klimapolitik. Die USA haben ja mit dem neuen Präsidenten vor, sich vom Klimaschutz zu verabschieden. Dies bedeutet, dass Deutschland nun eine besondere Vorreiterrolle bekommt – auch wenn der deutsche Klimaplan deutliche Schwächen hat. Es fehlen beispielsweise ein Kohleausstiegsplan und konkrete Vorgaben für eine nachhaltige Mobilität.

Dennoch ist der Klimaschutzplan bedeutsam. Die Emissionsminderungsziele für die einzelnen Sektoren bedeuten ja, dass der Anteil von Kohlestrom bis 2040 deutlich vermindert werden muss und ab 2030 keine neuen Fahrzeuge mit fossilen Antrieben mehr zugelassen werden dürfen. Damit ist Deutschland in der Welt tatsächlich ein Vorbild und sollte diese Rolle nun weiter ausbauen.

Fast zwei Wochen nach der Wahl von Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA mehren sich die Anzeichen, dass er die Förderung von Öl, Gas und Kohle ankurbeln will, um die USA unabhängiger von Importen zu machen. Lohnt sich das überhaupt wirtschaftlich angesichts der anhaltend niedrigen Preise für fossile Rohstoffe auf den Weltmärkten?

Derzeit lohnt es sich ganz sicher nicht, da die Preise für fossile Energien denkbar niedrig sind. Immer mehr Kohle-Unternehmen müssen Insolvenz anmelden, immer mehr unkonventionelle Ölförderprojekte werden wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit zurückgefahren. Erneuerbare Energien werden dagegen wirtschaftlich immer attraktiver, global gesehen fließen mehr Gelder in die erneuerbaren Energien als in die fossilen.

Wenn Trump die Vergangenheit konservieren will, wird das die USA im Wettbewerb um klimaschonende Technologien um Jahre zurückwerfen. Und es wird den Umstieg unnötig teuer machen. Die wirtschaftlichen Chancen einer klimaschonenden Wirtschaftswelt sind riesig, das wird auch der neue Präsident erkennen.

Und was war für Sie die Überraschung der Woche?

Dass der scheidende US-Präsident Barack Obama bei seinem Abschiedsbesuch mit einem Auto in Berlin herumfuhr, das weder TÜV noch Umweltplakette besitzt. Die Berliner Polizei twitterte lustigerweise, dass sie genau aus diesem Grund das Auto immer vorn und hinten eskortieren musste.

Wir wissen also nicht, welche Feinstaub- und Treibhausgasemissionen Obama bei seinem Besuch in Berlin hinterließ. Da die USA den Dieselgate-Skandal ins Rollen gebracht haben, wäre es eigentlich zu erwarten gewesen, dass der US-Präsident in einem Feinstaub- und CO2-emissionsfreien Fahrzeug durch Deutschland fährt. So wie der Papst sich im klimaschonenden und wenig protzenden Kleinwagen fahren lässt, hätte Obama mit einer entsprechenden Fahrzeug-Wahl zeigen können, wie Umweltschutz im Automobilitätsbereich wirklich geht. Das wäre ein schönes Abschieds- und Umweltschutz-Symbol für den scheidenden Präsidenten gewesen.

Fragen: Jörg Staude

[Erklärung]  
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