Schwerpunkte

Meeresspiegel | E-Mobilität | Wahl

Planvolle Chinesen, unschlagbare Fahrräder und die Ewiggestrigen in NRW

Immer wieder sonntags: Unsere Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Professor Andreas Knie, Sozialwissenschaftler mit den Schwerpunkten Wissenschaftsforschung, Technikforschung und Mobilitätsforschung. Sein Steckenpferd ist das Verkehrswesen von morgen.

Knies Woche

Bild

klimaretter.info: Herr Knie, in der vergangenen Woche war der chinesische Verkehrsminister Li Xiaopeng zu Gast bei Ihnen im Forschungszentrum Innoz. Was kann Deutschland von der chinesischen Verkehrspolitik lernen?

Andreas Knie: Deutschland kann eine Menge von China lernen. Beispielsweise, dass Pläne durchaus wertvoll sind und wie weit man bei einer konsequenten Umsetzung kommen kann. Dabei sind auch Maßnahmen mit Beteiligung der Bevölkerung gemeint.

Lernen können wir auch, dass Traditionen und Identitäten wichtig sind, dass man aber nicht zu lange und zu stark an alten Zöpfen hängen darf.

Die neue Koalition aus CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen will das Land zum "Taktgeber" für Elektro- und Hybridantriebe machen. Sind Sie optimistisch, was die Mobilitätswende in NRW betrifft?

Nein, in Nordrhein-Westfalen sind leider die Lichter schon ausgegangen. In einem Land, in dem immer noch Braunkohle abbaggert wird, als wenn es kein Morgen gäbe, in dem die scheidende Ministerpräsidentin eine Rede im Jahr 2017 immer noch mit "Glückauf!" abschließt, in einem Land, das immer noch auf Straßenbau als Antwort auf die sich weiter zersiedelnde Landschaft setzt und in dessen vermeintlichem industriellen Kern – dem Ruhrgebiet – alles, aber auch alles immer noch auf Kohle und Stahl ausgerichtet ist und alle Zukunftstechnologien vertrieben wurden, in einem solchen Land ist der Wandel, die Veränderung nicht vorgesehen.

Das Fahrrad feierte diese Woche seinen 200. Geburtstag. "Das Fahrrad ist in der Stadt unschlagbar", sagte Thomas Kosche, Kurator der Jubiläumsausstellung im Mannheimer Technoseum, im Interview mit klimaretter.info. Wie sieht die Mobilität der Zukunft auf dem Land aus?

Auch auf dem Land ist das Fahrrad unschlagbar. Erstaunlicherweise unterscheiden sich die ländlichen Fahrprofile von den städtischen gar nicht so sehr.

Der Anteil des Fahrrades, besonders der Pedelecs, wird auch auf dem Land steigen, denn Busse und Bahnen werden den wachsenden Bedürfnissen nach Individualität und gesunder Lebensweise nicht gerecht. Und Verbrennerfahrzeuge gelten auch auf dem Lande mehr und mehr als notwendiges Übel.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Dass die Griechenlandhilfe, die gar keine ist, sondern eine konsequente Unterwerfung unter das deutsche Finanzdiktat darstellt, einfach so durchgewinkt wird.

Und dass selbst ein G20-Afrikagipfel, bei dem wir Deutschen nochmals unsere Abschottungspolitik erklären, ohne kritisches Medienecho und ohne große Gegendemonstration abgelaufen ist.

Fragen: Friederike Meier

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen