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Autonome Busse, zögerliche Gesetze und das Aus für Sackgassentechnologien

Immer wieder sonntags: Unsere Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Professor Andreas Knie, Sozialwissenschaftler mit den Schwerpunkten Wissenschaftsforschung, Technikforschung und Mobilitätsforschung. Sein Steckenpferd ist das Verkehrswesen von morgen.

Knies Woche

Bildklimaretter.info: Herr Knie, Bundes­umweltministerin Barbara Hendricks hat einen Verordnungsentwurf vorgelegt, nach dem Kommunen Fahrverbote in Innenstädten erteilen dürfen, wenn es gesundheitsgefährdende Wetterlagen gibt. Was halten Sie von dem Vorschlag?

Andreas Knie: Dies ist ein längst überfälliger Schritt. Schon seit Jahren belasten die Abgase der Verbrennungsmotoren die Luftqualität und bedrohen die Gesundheit der Menschen. Es ist mittlerweile klar, dass nicht nur die Verbrauchswerte der Fahrzeuge, sondern auch die Abgaswerte weit über den angegebenen Werten liegen. In den Städten sind nicht nur die Schadstoffkonzentrationen hoch, sondern auch die Alternativen verfügbar. Wir müssen daher schnell raus aus den Sackgassentechnologien.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) lehnt Fahrverbote jedoch ab. Man solle doch lieber auf saubere Busse setzen. Ist das eine Alternative?

Fahrverbote sind sicherlich die letzte Maßnahme aller denkbaren Optionen zur Verbesserung der Luftqualität. Saubere Busse sind aber nicht die Alternative, sondern gehören ebenfalls in den Katalog der Notwendigkeiten einer Verkehrswende. Der öffentliche Nahverkehr kann nur dann das Rückgrat eines modernen städtischen Verkehrs werden, wenn er digital vernetzt und sauber unterwegs ist. Dieselbusse haben darin keine Zukunft.

Das Bundeskabinett hat das Carsharing-Gesetz verabschiedet. Es sieht vor, dass Kommunen leichter Parkplätze für diesen Zweck einrichten dürfen. Bringt das tatsächlich Entlastung im Stadtverkehr?

Nach 20 Jahren Schweiß, Blut und Tränen – endlich ein Carsharing Gesetz! Allein das ist die Sensation. Der Inhalt des angedachten Gesetzes ist es nämlich nicht. Der Bund erlaubt den Ländern lediglich – wenn sie denn wollen – die Kommunen bei der Ausweisung von Stellflächen auf öffentlichem Straßenland zu unterstützen. Die Länder können, müssen aber nicht. Das, was es bisher in Ansätzen gibt, kann jetzt rechtlich leichter umgesetzt werden. Der längst überfällige Durchbruch für das Carsharing wird durch dieses Gesetz leider nicht eingeleitet.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Die Medienberichterstattung über die Vorstellung des "Olli". Die Deutsche Bahn hat am Freitag den Piloten eines autonom fahrenden Shuttles auf dem Berliner Euref-Campus öffentlich vorgestellt. Im Auftrag der Bahn hat unser Innovationszentrum den Regelbetrieb auf dem Gelände aufgenommen. Die Presseresonanz war so groß wie bei keinem anderen Event im Jahr 2016. Offenkundig liegen nicht nur elektrische Antriebe, sondern auch autonom fahrende Shuttles im Trend der Zeit. Das Thema steht nicht erst in zehn Jahren auf der Agenda, sondern schon morgen.

Fragen: Benjamin von Brackel

[Erklärung]  
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