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Populismus à la Trump, Wunschzettel fürs Klima und das Ende der Ausreden

Jetzt immer sonntags: Unsere Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Jens Mühlhaus, Vorstand der Green City Energy AG, eines alternativen Energiedienstleisters mit Sitz in München.

Mühlhaus' Woche

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klimaretter.info: Herr Mühlhaus, am morgigen Montag will Umweltministerin Hendricks doch noch mit einem Klimaschutzplan für Deutschland zum Klimagipfel nach Marrakesch fliegen. Was sollte da Ihrer Ansicht nach unbedingt drinstehen?

Jens Mühlhaus: Der Wunschkatalog wäre einfach: Ausstieg aus der Kohle bis 2030, dazu das Anpassen der Ziele und Instrumente an den dafür notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien – nach oben.

Außerdem: Einführung effizienter CO2-Kosten und einer wirkungsvollen ökologisch-sozialen Steuerreform. Einstieg in die Verkehrswende mit klaren Rahmenbedingungen wie dem Aus für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ab 2030.

Doch von der Politik werden wir solche Wünsche nicht erfüllt bekommen, das müssen wir als Bürger, Unternehmen und Investoren schon selbst erledigen. Denn alle großen Veränderungen haben sich die Menschen auf den Straßen erstritten, das wird beim Klimaschutz nicht anders sein. Die Politiker werden auf den Zug dann aufspringen, wenn ihre Vier-Jahres-Brille nicht mehr beschlägt. Siehe zuletzt beim Atomausstieg.

Mit einigen Tagen Abstand betrachtet: Wie groß ist der Schaden, der dem internationalen Klimaschutz durch den Ausgang der Präsidentschaftswahl in den USA noch erwachsen wird? Oder ist der schon zu einem Selbstläufer geworden, der sich noch abbremsen, aber nicht mehr umkehren lässt?

Der Schaden ist doch jetzt schon spürbar: Die Angst des Scheiterns grassiert, die Handelnden zögern, die Aufbruchstimmung gerät in Gefahr.

Das Problem ist: Die Folgen des Klimawandels treten nicht zuerst in den verursachenden Industrienationen auf, sondern in den heute schon benachteiligten Krisenregionen. Die Probleme führen zu riesigen Flüchtlingsströmen. Die Wähler in den Industrienationen kämpfen dann gegen die Flüchtlinge – und nicht gegen den Klimawandel. Und Populisten wie Trump nutzen das schamlos aus. Scheinbar ein Teufelskreis.

Aber ich glaube nicht, dass ein Trump den Trend verändern kann: Erneuerbare Energien produzieren heute schon günstiger Strom als fossile Kraftwerke – bei Neuinvestitionen. Die Investitionsströme wenden sich deshalb massiv von den fossilen Energieträgern ab. Kein Unternehmer, kein Fondsmanager wird sich dem entziehen können. Geld wird nicht auf vier oder acht Jahre angelegt, daher wird kaum einer langfristig in Kohlekraft investieren. Und Trump ist zuvorderst auch ein Unternehmer, er wird das auch längst erkannt haben.

Womöglich tritt auch mit Trump eine der Kuriositäten des politischen Geschäfts auf. Oft werden heilige Kühe von denjenigen beerdigt, für die sie zuvor heilig waren. Oder anders formuliert: Der entscheidende Sargnagel wird oft von den bisherigen Befürwortern eingeschlagen. In Deutschland zum Beispiel stammte ja die Agenda 2010 keineswegs von den Neoliberalen, sondern von Rot-Grün. Der Atomausstieg wurde von der CDU, der CSU(!) und der SPD beschlossen – eigentlich unglaublich.

Und das ist auch meine Prognose: Kurzfristig wird Trump es einigen Geschäftemachern ermöglichen, mit den fossilen Energien nochmals richtig reich zu werden. Aber Trump wird die USA mittelfristig endgültig zum Land der erneuerbaren Energien machen – wetten?

Der laufende Weltklimagipfel kämpft um die Ausgestaltung des Pariser Klimaabkommens. Haben diese Detailverhandlungen eigentlich Bedeutung für die Projekte und Geschäfte von Green City?

Für die Projekte nicht, in unseren Märkten Deutschland, Frankreich und Italien gibt es ja seit Jahren handfeste Rahmenbedingungen für den Ausbau der Erneuerbaren und damit für unsere Wind-, Wasser und Photovoltaik-Projekte.

Aber wir merken seit den Beschlüssen von Paris, dass unsere Kapitalanleger mit größerem Selbstbewusstsein in erneuerbare Kraftwerksparks investieren können. Wir alle wissen, dass wir nicht gegen den Trend arbeiten, sondern mit ihm. Das wird der Marrakesch-Gipfel nicht verändern, auch wenn ausgerechnet die Bundesregierung mit ziemlich leeren Händen dorthin reist.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Na ja, das wurde ja oft genug besprochen, da nehme ich mich nicht aus. Trump ist eine Überraschung, und ein Schock für alle, die für den Klimaschutz arbeiten. Aber ich spüre bei mir und auch bei meinen Kollegen eine Trotzreaktion, ein "Jetzt erst recht". Und eben die Erkenntnis, dass es auf uns alle und jeden einzelnen ankommt – und nicht auf die Politik. Die wird es nicht richten, wenn wir nicht alle anpacken. Die großen Beschlüsse werden nicht kommen, nirgends. Wir müssen es einfach selber machen. Auf geht’s! Ausreden gibt’s nicht mehr.

Fragen: Jörg Staude

[Erklärung]  
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