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Schlaue Regierung, moderne Schmutz-Diesel und die Verlierer-Gewinner-Debatte

Immer wieder sonntags: Unsere Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Lichtblick.

Lückings Woche

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klimaretter.info: Herr Lücking, vier von fünf Kohlekraftwerken werden die ab 2021 geltenden Schadstoffgrenzwerte nicht erfüllen, rechnen Experten vor. Was werden wir sehen: zahlreiche Nachrüstungen, Stilllegungen – oder drücken die Behörden mit Ausnahmegenehmigungen ein Auge zu? 

Gero Lücking: Das wird maßgeblich von der neu zu bildenden Bundesregierung abhängen. Wenn sie schlau ist und es mit dem Klimaschutz ernst meint – was ja bei einer SPD-Beteiligung noch offen ist –, wird sie keine Ausnahmen zulassen und die Betreiber zwingen, abzuschalten. So können hohe Ausgleichszahlungen, auf die die Betreiber wie RWE hoffen und spekulieren, elegant vermieden werden. Den Steuerzahlern blieben Milliarden erspart.

Die Bundesnetzagentur hat den Höchstwert für die nächsten Ausschreibungen zu Windkraft an Land auf 6,3 Cent je Kilowattstunde heraufgesetzt. Ein überfälliger Schritt? 

Die derzeitigen Ausschreibungsergebnisse scheinen in der Tat nach unten überzeichnet, also zu niedrig zu sein. Eine ruinöser Wettbewerb führt am Ende dazu, dass Projekte nicht realisiert werden oder scheitern. Das wäre für die Energiewende kontraproduktiv. Insofern ist die Entscheidung der Bundesnetzagentur wichtig und richtig.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft lässt vom Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos eine Studie zum Stand der Energiewende erstellen und mokiert sich über den "Preistreiber" EEG-Umlage. Warum hält die Wirtschaftslobby an dieser falschen Argumentation fest? 

Die Wirtschaft ist zerstritten. Es gibt die, die in alter Manier gegen die Energiewende wettern. Mit abenteuerlichen Argumentationen. Das ist die Fraktion der Verlierer. Und dann gibt es die Fortschrittlichen, die von dem Wandel profitieren und mit neuen Geschäftsmodellen zukunftsfähige Lösungen entwickeln und anbieten wollen.

So haben während der "Jamaika"-Sondierungen Energiekonzerne wie Eon und EnBW, also Konzerne, die heute selbst noch Kohlekraftwerke betreiben, für einen ambitionierten Kohleausstieg geworben. Weil sie ohne den Kohleausstieg in ihren neuen Geschäftsmodellen geradezu ausgebremst werden.

Eine klassische Verlierer-Gewinner-Diskussion. Die Ewiggestrigen müssen sich bei ihren Kampagnen vorwerfen lassen, dass sie den Aufbau neuer, nachhaltiger und zukunftsfähiger Arbeitsplätze verhindern und damit ein ganzes Land um seine Zukunftsvision berauben. Denn wenn die neuen Geschäftsmodelle nicht hier und jetzt entwickelt werden, werden sie ohne oder mit nur geringer Wertschöpfung von anderen erbracht werden.

100 Berliner Haushalte wollen versuchen, ihren CO2-Fußabdruck in einem Jahr um 40 Prozent zu senken. Kennen Sie eigentlich die Höhe Ihres persönlichen CO2-Fußabdrucks? 

Interessantes Projekt. Ich bin ehrlich, ich kenne ihn leider nicht.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Bei den jetzt eintretenden winterlichen Temperaturen fahren fast alle modernen Diesel-Autos ohne Abgasreinigung – dank der modernen Abschaltvorrichtungen. Damit sind die modernen Wagen heute schlechter als die 25 Jahre alten Fahrzeuge nach der Euro-1-Norm. Da bleibt einem der Atem weg.

Fragen: Sandra Kirchner

[Erklärung]  
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