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Revolutionärer Mieterstrom, RWE ohne Zukunft und der Witz der Woche

Immer wieder sonntags: Unsere Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Lichtblick.

Lückings Woche

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klimaretter.info: Herr Lücking, Lichtblick hat kürzlich eine Studie zum Mieterstrom vorgestellt. Ergebnis: Die meisten Bürger würden sich darüber freuen, wenn sie Strom vom eigenen Dach beziehen könnten. Welches Potenzial hat Mieterstrom?

Gero Lücking: Unsere Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der Mieter gerne selbst erzeugten Strom beziehen würden. Dazu müssen Wohnungswirtschaft und Immobilienbesitzer die vorhandenen Dächer mit Photovoltaik ausrüsten oder aber Blockheizkraftwerke zur effizienten Strom- und Wärmeerzeugung in den Kellern der Gebäude installieren.

Mit dem jetzt vom Bundeskabinett verabschiedeten Mieterstromgesetz werden für diese Investitionen und Modelle die rechtlichen Grundlagen geschaffen. Das bringt Planungssicherheit, die es so bisher nicht gab. Mieterstrom kommt für rund 3,8 Millionen Mietwohnungen in Deutschland infrage. Insgesamt geht es um rund 370.000 zusätzliche Photovoltaikanlagen. Das kann sich zu einem richtigen Schub für die Energiewende entwickeln.

Ohne unbescheiden wirken zu wollen, können wir wohl sagen, dass Lichtblick Pionier dieser Entwicklung ist. Wir haben vor fünf Jahren in Berlin-Hellersdorf die größte Photovoltaik-Dachanlage in Deutschland mit 1.900 Kilowatt Nennleistung in ein Mieterstrommodell integriert. Ein riesiges Plattenbauviertel gepflastert mit Photovoltaik. Das Foto von den Solar-Dächern im sogenannten Gelben Viertel ist zum Symbolbild für den Mieterstrom geworden. Wir haben damit der Energie- und Immobilienwirtschaft und der Politik gezeigt, wie es geht. Ohne diesen Anschub würde es das Mieterstromgesetz wohl nicht gegeben.

Der Energiewirtschaftsverband BDEW meint, dass der Gesetzentwurf zum Mieterstrom sozial Schwache benachteiligt. Die müssten, sofern sie nicht selbst vom Mieterstrom profitieren, dann höhere Netzentgelte zahlen. Stimmt das?

Der BDEW warnt vor allem, was mit Energiewende zu tun hat. Jetzt schlägt er sich scheinbar auf die Seite der sozial Schwachen. Das ist pure Heuchelei und maximal unglaubwürdig. Dem Verband geht es nicht um die Schwachen, sondern um die durch Mieterstrommodelle wegbrechenden Einnahmen bei den Netzentgelten. Da drückt die Mitgliedsunternehmen des BDEW der Schuh.

Wer sich für die sozial Schwachen engagieren will, muss sich gerade für Mieterstrommodelle aussprechen. Denn so profitieren sie über niedrigere Strompreise von der Energiewende.

Der BDEW ist nur gut darin, Pfründen und liebgewonnene Annehmlichkeiten aus der Vergangenheit zu verteidigen. Konzeptionell nach vorne, in Richtung Energiewende, geht beim BDEW nichts.

Die "grüne" RWE-Tochter Innogy hat ihre allererste Hauptversammlung abgehalten. Es scheint ganz solide zu laufen: Das Unternehmen meldete 1,5 Milliarden Nettogewinn. Bereitet Ihnen die Konkurrenz der großen Konzerne im Geschäft mit der Energiewende Sorge?

Der Schein trügt. Rund zwei Drittel des Konzernergebnisses kommen aus dem regulierten Geschäft der Strom- und Gasnetze. Das sind Monopole. Dort werden Fehler nicht bestraft. Aber die staatlich garantierten Monopolrenditen werden sinken. Das ist bereits beschlossen. Im zukunftsträchtigen Geschäft der Energiewende läuft dagegen nicht viel. Zudem drücken extreme Kostenbelastungen das Ergebnis. 

Auch der Innogy-Mutterkonzern RWE hatte vergangene Woche seine Hauptversammlung. Die Aktionäre bekamen die schlimmste Bilanz aller Zeiten präsentiert. Angenommen, Sie steckten in der Haut von RWE-Chef Rolf Martin Schmitz: Sehen Sie einen Weg, auf dem RWE einen ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigen Platz finden kann?

Nein, den sehe ich leider nicht. Für RWE ist die Perspektive düster. Wer heute noch an der Braunkohleverstromung im großen Umfang festhält, ganze Regionen im Städtedreieck Köln-Aachen-Düsseldorf mit Braunkohletagebauen in Wüsten verwandelt, die CO2-intensivsten Kohlekraftwerke in Europa betreibt und im eigenen Konzern erst ein Prozent seines Stroms regenerativ erzeugt, hat die Zukunft verschlafen.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

RWE spricht bei Innogy konsequent von einer "Ökostromtochter". Das ist ein schlechter Witz und offenbar RWE-eigener Humor, den nicht alle verstehen. Im gleichen Atemzug werden Subventionen – sogenannte Kapazitätsprämien – für die Kohlekraftwerke von RWE gefordert.

Das wäre der Witz der Woche: regulierte Netze mit staatlich garantierten Monopolrenditen, Kapazitätszahlungen für den Kohlestrom und EEG-Förderung für das bisschen eigene Wind- und Photovoltaikerzeugung. Das ganze RWE-Geschäft vom Staat beziehungsweise den Steuerzahlern bezahlt.

Fragen: Susanne Schwarz

[Erklärung]  
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