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Unfreundliche Union, festlicher Klimaschutz und ein E-Motorrad

Jetzt immer sonntags: Unsere Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Lichtblick.

Lückings Woche

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klimaretter.info: Herr Lücking, in der CDU denkt man offenbar über einen radikalen Ökostrom-Förderstopp nach. Wie schlimm wäre das für die Energiewende – Todesurteil, Rückschlag oder Unannehmlichkeit?

Gero Lücking: Alle diese Gerüchte, Überlegungen und Vorschläge, die sich möglicherweise auch in den Wahlprogrammen wiederfinden oder nicht, führen zu Irritationen und Verunsicherung. Sowohl bei den Verbrauchern, die sich mit dem Gedanken tragen, in eine Photovoltaikanlage zu investieren, als auch in der Branche.

Auf was soll und kann man sich verlassen? Ist die Energiewende nun gesetzt? Sind die Rahmenbedingungen sicher? Wenn ja, wie lange noch? Kann ich noch in die Planung eines Windparks einsteigen oder muss ich befürchten, dass es bald keine Einspeisevergütung mehr gibt?

Wenn die Wirtschaftspartei CDU der Wirtschaft einen Gefallen tun will, sollte sie nicht alle vier Jahre die Ziele und die wesentlichen Instrumente zum Erreichen dieser Ziele infrage stellen. So etwas ist kontraproduktiv.

Und Gegenfrage: Was will die CDU? Energiewende, Klimaschutz, Innovation – oder Braunkohle und Festhalten an veralteten Strategien?

Die EU-Kommission hat ihr sogenanntes Winterpaket vorgestellt. Der Einspeisevorrang für erneuerbare Energien soll demnach bald nur noch für kleine Anlagen gelten. Was würde das bedeuten?

Das jetzige Papier ist ein erster Entwurf. Die Verordnung soll erst Ende 2017 verabschiedet werden. Bis dahin wird viel diskutiert werden und sich noch viel ändern.

Gegen die Pläne der EU, den Einspeisevorrang für Erneuerbare zu streichen, hat das Bundeswirtschaftsministerium mit Sigmar Gabriel an der Spitze bereits Widerstand angekündigt. Ob sich also die EU-Kommission durchsetzen kann, ist fraglich.

Ein anderer Punkt ist positiv: Die EU-Kommission plant Änderungen bei der Stromkennzeichnung. Die soll die Verbraucher darüber aufklären, wie der Strom, den sie von ihrem Lieferanten beziehen, erzeugt wird und welche Umweltauswirkungen damit verbunden sind.

In Deutschland verfehlt die Stromkennzeichnung ihr Aufklärungsziel klar. Der Gesetzgeber verpflichtet nämlich jeden Anbieter – unabhängig von seiner tatsächlichen Einkaufspolitik –, einen 46-prozentigen regenerativen EEG-Strom-Anteil auszuweisen. Ein Anbieter, der zum Beispiel ausschließlich Kohlestrom zur Versorgung seiner Kunden einkauft, gibt deshalb in seiner Stromkennzeichnung statt 100 Prozent Kohlestrom 46 Prozent regenerativen Strom und nur 54 Prozent Kohlestrom an.

Wie die Verbrauchs- und CO2-Angaben bei Pkw ist auch die Stromkennzeichnung zu einer Mogelpackung und einem staatlich verordneten Etikettenschwindel verkommen. Das zu ändern und mehr Transparenz zu schaffen, hat sich jetzt die EU-Kommission auf ihre Fahnen geschrieben. Das setzt das Bundeswirtschaftsministerium unter Druck, die heute geltenden Regelungen zu reformieren.

Auf Ihrem Blog erinnern Sie daran, dass die Deutschen wieder rund 820 Millionen Kilowattstunden Strom für ihre Weihnachtsdeko verbrauchen werden – und geben Tipps für den klimafreundlichen Advent. Wie funktioniert der?

Insgesamt 9,5 Milliarden Lichter werden dieses Jahr in den deutschen Haushalten für weihnachtliche Stimmung sorgen. Wenn man zu Hause die Anzahl nicht reduzieren will, sollte man in jedem Fall herkömmliche Lichterketten durch LED-Lämpchen oder LED-Lichterketten ersetzen. Das reduziert Verbrauch und Kosten direkt um 90 Prozent! Und der Wechsel zu einem echten Ökostromanbieter darf natürlich auch nicht vergessen werden.

Ihr Kollege Frank Krippner hatte sich Anfang November zusammen mit Jörn Ehlers vom WWF auf einem E-Motorrad auf den Weg zum Weltklimagipfel in Marrakesch gemacht. Er ist hoffentlich inzwischen wohlbehalten zurück. Wie hat die Mobilität der Zukunft in der Gegenwart funktioniert?

Beide sind wohlbehalten heimgekehrt, sind begeistert von dem Elektromotorrad und wünschen sich jetzt jeweils eine Maschine zu Weihnachten.

So wie Tesla kommt auch das Motorrad, das sie gefahren haben, aus Kalifornien. Unter normalen Bedingungen konnten sie gute 200 Kilometer mit einer Batteriefüllung fahren. Die Ladezeit betrug dann rund vier Stunden. Auf Landstraßen und in den Bergen waren Begeisterung und Fahrspaß am größten. Erstens fährt man nicht so schnell und damit sparsamer und zweitens wird durch das Bremsen Energie zurückgewonnen und in die Batterie zurückgespeist. Das erhöht die Reichweite deutlich.

Die Tour war ein voller Erfolg – weil unsere beiden E-Biker zeigen konnten, was heute schon möglich ist, und weil sie unterwegs viele Energiewendeprojekte in Europa und Afrika besucht haben. Viele haben die Tour-Videos auf Youtube verfolgt.

Nach dieser Tour hat die Elektromobilität mindestens zwei neue, begeisterte Fans. Hoffen wir, dass ihr Wusch zu Weihnachten in Erfüllung geht.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Laut dem in dieser Woche von der Bundesnetzagentur veröffentlichten Monitoringbericht über die deutschen Elektrizitäts- und Gasmärkte entscheiden sich die Verbraucher in Deutschland immer häufiger für Ökostrom. 2015 bezogen demnach 8,6 Millionen Haushalte einen grünen Stromtarif – ein Plus von über zehn Prozent gegenüber 2014.

Diese erfreulichen Entwicklungen sollten durch die Politik aktiv unterstützt werden. Beispielsweise durch stabile Rahmenbedingungen und wahrheitsgetreue Angaben in der Stromkennzeichnung. Nur dann können Verbraucher zwischen Mogeltarifen und wirklich nachhaltigen Angeboten unterscheiden.

Fragen: Susanne Schwarz

[Erklärung]  
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