Auf Schmuse-Kurs mit dem Auto
Sie sind anscheinend auf Schmuse-Kurs: Umweltschützer und Gewerkschafter. Zumindest vermeiden deren Vertreter auf dem Podium lieber den Streit. Werner Reh von der Umweltorganisation BUND und Angelika Thomas von der Gewerkschaft IG Metall sollten eigentlich über "den Fall Opel" diskutieren. Stattdessen bleiben Thomas und Reh sehr allgemein und stellen ihre gemeinsame Forderung nach umweltfreundlicheren Autos in den Vordergrund.
Brauchen wir weniger Autos?
Angelika Thomas, Umweltexpertin bei der IG Metall, stellt drei Entwicklungen im Automobilsektor heraus: Die bestehenden Überkapazitäten würden durch die Wirtschaftskrise weiter verschärft. Allein im ersten Viertel des Jahres, sei die Nachfrage um 41 Prozent gesunken. Zudem habe sich das Käuferverhalten geändert, die Kunden verlangten nun kleinere Autos. "Downsizing" nennt sie das. Und auch weltweit werde sich die Mobilitätsnachfrage in den nächsten Jahren deutlich wandeln: Der Anteil der Menschen, die in Millionenstädten leben, könnte sich bis zum Jahr 2030 verdoppeln, dadurch komme dem öffentlichen Personennahverkehr eine große Rolle zu.
Was das für die Arbeitsplätze bedeutet, das erzählt hingegen Werner Reh vom BUND. Verkehrte Welt. "Natürlich müssen wir Busse und Straßenbahn ausbauen. Aber die Arbeitsplätze kriegen wir dadurch nicht." Um die Stellen nicht zu verlieren, könne aber zum Beispiel Deutschland seine Autos mit den EU-Grenzwerten für CO2-Ausstoß exportieren. Jetzt propagieren also Umweltverbände den Export von Autos. Die Zeiten, in den Umweltbewegte das dreckige Fortbewegungsmittel generell verdammt haben, seien ohnehin vorbei, sagt Reh. Frühere Forderungen nach einen Rückgang der Autoproduktion um 90 Prozent hätten sich als unrealistisch erwiesen.
Auch Angelika Thomas kommt ihrem Gegenüber entgegen: Die Diskussionen innerhalb der IG Metall um die Zukunft des Autos habe in den letzten zehn Jahren "an Schwung verloren", gibt sie zu. Die Umwelt könne aber profitieren, wenn Beschäftigte mehr über langfristige Produktstrategien mitentscheiden dürften - also über die Frage, ob weiter Spritfesser gebaut werden oder nicht.
Nur im Publikum scheint es die alten Konflikte zwischen Umwelt- und Gewerkschaftsbewegung noch zu geben: "Wir brauchen maximal zehn Prozent der Autos, die jetzt auf der Straße stehen", behauptet ein Diskutant. Immer wieder werde ein Feindbild aufgebaut - "wir die Guten, ihr die Bösen" - empört sich ein Gewerkschafter.
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