Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Ach, Europa!

Eigentlich soll es hier um den Mythos Europa gehen. Mit Fragezeichen. Europas Rolle in der Welt neu betrachtet: Beim Late-Night-Talk des McPlanet gerät darüber ein Redner ins Schwelgen, einer ins Abseits, einer in Vergessenheit und ein anderer in Rage. Dazu verliert die Moderation auch noch das Ruder: Selten wurde Europa schöner (de)montiert

vom Late-Night-Talk berichtet SARAH MESSINA   

Ein McPlanet braucht auch ein bisschen Boulevard. Nach einem vollen Samstag mit Panelen, Foren, Workshops und Aktionen stand deshalb der Late-Night-Talk auf dem Programm: In lässigen Ledersesseln sollten die geladenen Redner auf den Spuren des "Mythos Europa" wandeln und die Rolle Europas "in der Welt" neu betrachten. 

latenight2.jpg

Als vor mehr als 20 Jahren die meteorologische Gesellschaft erstmals vor dem Klimawandel warnte, wurde das Thema vom Forschungsministerium noch als "politisch nicht opportun" unter den Teppich gekehrt, beginnt Hartmut Graßl das Europamärchen. Es könnte so schön sein: Graßl ist emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie und "ein Fan" der Europäischen Union. "Die EU ist mit verbindichen Klimaschutz-Zielen führend in der Diskussion um die Erderwärmung". Dass auch seine Begeisterung die eine oder ander Einschränkungen kenne, liege auf der Hand. 

Lim Li Lin aus Malaysia dagegen ist alles andere als ein Fan Europas: Sie ist für das Third World Network in Genf tätig und vor allem in Hinblick auf den Stand der UN-Verhandlungen um ein neues Klimaschutzabkommen enttäuscht, das im Dezember in Kopenhagen beschlossen werden soll: Die Ziele der EU seien zu niedrig, der ausgeübte Druck auf die Schwellen - und Entwicklungsländer angesichts historischer Schuld und leerer Versprechungen zur Finanzierung von Anpassung und Technologieentwicklung seitens der Industrieländer nicht fair: "Dass die Folgen des Klimawandels bereits jetzt eine fatale Last für die Entwicklungsländer sind, wird in der EU offenbar verdrängt, um die USA nicht zu vergraulen". Die machen ihre Beteiligung an einem Abkommen von eigenen Reduktionsverpflichtungen der Schwellenländer abhängig. 

latenight1.jpg

Dazwischen sitzt US-Journalist Mark Engler, der mit seinem Eingangsstatment "es gibt auch amerikanische Sozialisten!" zwar Sympathien gewinnt, nach einem Überblick der Fortschritte der USA von Clinton über Bush zu Obama aber schnell in den Hintergrund gerät. Denn jetzt beginnt die Late-Night-Show: Der deutsch-türkische Autor Imran Ayata fegt mit einer Anekdote über Mütter, Waschmaschinen und Energieffizienzklassen und einem anschließenden Schwenk zum Berliner Volksbegehren Pro Reli - als Indiz für das Fehlen europäischer Werte - die Basis für jede Ordnung der Dinge vom Tisch. 

Das Intermezzo gibt Cerstin Gammelin, die ihrer Moderationspflicht nachkommend Ayata etwas unglücklich auf die Füße tritt. Der landet indes wenig amüsiert, dafür aber amüsant, zielsicher und rhetorisch elegant beim Philosophen Jürgen Habermas: Dieser hat sich nach Informationen des Politikwissenschaftlers und Mitbegründers von Kanak Attak nämlich bereits lange vor dem ersten McPlanet mit dem Mythos Europa befasst. 

Quod erat demonstrandum: In kürzester Zeit werden die Charakteriska Europas der Fußball, der Grand Prix D'Eurovision und die Abschaffung der Todesstrafe. Die Schleifspur durch mannigfaltige Fettnäpfe des Abends führt durch willkommene Flüchtlinge auf dem Weg nach Lampedusa, Kriege von Jugoslawien bis Afghanistan (die "für das friedliche Europa" durchaus ein Problem sind) und nervöse Randbemerkungen vor allem zwischen Ayata und Gammelin ihre Bahnen. 

latenight4.jpg

Buh-Rufe aus dem Publikum, Redebedarf in allen Reihen: Ausgerechnet jetzt gibt es beim Late-Night-Talk keine Mikrophone für die Zuschauer, sondern nur "Publikumsanwälte": Die sollen Fragen aus dem Plenum aufschreiben und die lose-Blatt-Sammlung ans Podium weitergeben. Das dauert lange - und ist wenig befriedigend für diskussionshungrige McPlanet-Teilnehmer. Die Forderung nach einem Mikrophon wird abgetan. Ein paar Fragen werden verlesen. Ein paar tapfere Antworten gegeben. Die Stimmung schwankt zwischen Sarkasmus und Eiseskälte. 

Nur einer nimmt das gelassen und pragmatisch: Harmut Graßl hat Probleme mit der Akustik und fordert technische Hilfe an. Ein ähnliches Verständigungsproblem haben offenbar auch Engler und Lim Li Lin seit Beginn der Veranstaltung mit ihren Übersetzungsgeräten: Ersterer harrt gerunzelter Stirn der Dinge, die da kommen. Letztere hat sich angesichts der Unmöglichkeit der Kommunikation ihren Notizen zugewandt. Für die "richtigen" Gespräche, die am Sonntag hoffentlich weitergehen. 

Wen soll da noch wundern, dass die geraunte Gebrauchsanweisung für das zeitweise defekte Podiumsmikrophon nur lautet: "Einfach reinsprechen". Und Imran Ayata auf der Schwelle der Raison "Ich war's nicht" zurückschnappt. Freilich nachdem er von Moderatorin Cerstin Gammelin mit dem zweifelhaften Titel des "unpolitischen Teilnehmers unserer Runde" ausgezeichnet wurde - was Ayata auch "gar nicht beleidigend" findet, sondern nur "äußerst interessant". 

Schade eigentlich, denn vor allem Lim Li Lin hatte durchaus etwas zu sagen zur dramatischen Lage der Welt und der kritischen Betrachtung Europas: Dafür fand man nur leider keinen Rahmen. Viel Verständnis hatte man beim Late-Night-Talk offenbar nicht füreinander - das aber immerhin konsequent. Am deutlichsten fand dafür immer wieder Hartmut Graßl Worte: "Wie immer konnte ich nur die Hälfte des Gesagten verstehen". Gemeint war nach wie vor die Akustik. Aber ach, Europa: Das allein ist es wohl kaum gewesen. 

zurück zum McPlanet Spezial 

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Meinungen: Kommentar

Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]

Meinungen: Überraschung der Woche

Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]

mehr...

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Fritz Vahrenholt (RWE): Kalter Kaffee zur Sonne

Der kommende Montag wird die Welt erschüttern, zumindest die der Klimaforschung. Das verheißt jedenfalls eine aktuelle Verlagsankündigung: Donnerwetter! Tausende IPCC-Wissenschaftler sind komplette Versager!! Der Klimawandel ist längst gestoppt!!! Die Ozeane und die Sonne waren schuld daran!!!! Puh, da hat die[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13

Werbung

Facebook Empfehlungen

klimaretter.info auf Twitter

klimaretter.info Newsletter

klimaretter.info Newsfeed

Hier gehts zu einer Übersicht unserer Newsfeeds


Werbung


Ressorts

Politik


EU gegenüber China vorerst hart

Alternativ zu Emissionshandel bietet Kommission aber "Ausgleichsmaßnahmen" an [mehr...]
Wirtschaft


18.000 neue erneuerbare Jobs

Studie: Offshore-Branche werde 2021 mindestens 33.000 Menschen beschäftigen [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen


Heizkosten kosten nach Verbrauch

Urteil des Bundesgerichtshof: Eine pauschale Abrechnung ist "ungerecht" - und deshalb verboten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Noch nicht einmal 50 von 2.000

Der Ausbau der Offshore-Windkraft stockt - trotz üpiger Fördererhöhung durch die Bundesregierung. Schuld sind natürlich die Behörden, klagt RWE. Echt? Lesen Sie mal! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]