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Sind 100 Prozent Erneuerbare bis 2040 Nonsens?

vom Nachmittagsforum berichtet SABINE ZIMPEL 

"100 Prozent Erneuerbare bis 2040 sind Nonsens" - Einige Teilnehmer schrecken durchaus hoch, bei Sven Teske (Greenpeace) brüsker Bemerkung. Excel sei geduldig und "sagt Dir nicht, wenn es unrealistisch wird". Manche Szenarien seien schlichtweg ärgerlich. 

Erneuerbare Energien, Offshore-Windparks oder große Visionen wie der Desertec-Plan, bei dem Sonnen- und Winenergie aus dem Mittelmeerraum sowohl für den Nahen Osten und Nordafrika (MENA) als auch Europa mit sauberer Energie versorgen soll: Nur ein Mix aus zentraler und dezentraler Energieversorgung macht für Teske Sinn. Sein Vorschlag: 30 Prozent Energie aus zentraler Versorgung hauptsächlich für die Industrielle Nutzung und 70 Prozent für dezentrale Versorgung. Die dezentrale Energieversorgung gäbe auch eine gewisse Versorgungssicherheit vor den Kämpfen auf dem Weltmarkt und der Ressourcenknappheit, so Teske.

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Jutta Sundermann, attac-Energieexpertin, warnt beim Dersertrec-Projekt vor einem "Energiekolonialismus". Die Frage sei auch, wem der Strom dann "gehöre" und ob er gerecht verteilt würde. Derzeit sei die ganze Struktur auf die zentrale Energieversorgung durch die Großkonzerne ausgerichtet. Und: Zu allererst müssten die Mena-Staaten vom Desertec-Netz durch Energie und Arbeitsplätze profitieren. 

Florian Bierbach von den Münchener Stadtwerken stellt klar, dass zwar nicht alle Stadtwerke groß genug seien, sich an Projekten wie Desertec zu beteiligen. Die Münchner würden sich jedoch gerade in eine ähnliche Richtung orientieren und mit einem Anbieter aus Südspanien in Verhandlungen stehen. Es sei nachweislich so, dass nicht nur die großen Konzerne im Rennen um zentrale Energieversorgung seien. 

Ob die Verstaatlichung der Netze nicht ein wichtiger Ansatzpunkt sei, wirft Moderator Thorben Becker vom BUND in die Runde: Entschiedenes Nicken. Sundermann beklagt aufgrund des Netzzustandsberichts allerdings die mangelnde Pflege der Netze durch die bisherigen Besitzer: EnBW, Eon, RWE und Vattenfall hätten nur Gewinne aus den Netzen gesaugt. Dieser Anteil beträgt etwa ein Drittel des Strompreises: Das lohne sich für den, der die Hand aufhält. 

Teske will die Netze ebenfalls in staatlicher Hand wissen: Die Netze gehörten zur allgemeinen Versorgungsinfrastruktur und deshalb nicht in private Hände. Auch sei ein Umbau der Netze notwendig: Noch würden die großen Energieversorger etwa durch Photovoltaik gewonnen Strom nicht ernst nehmen. "Und die Gewinne täten den gebeutelten Gemeindekassen gut", findet Sundermann. 

Deshalb seien die Kongress-Teilnehmer dazu aufgerufen, sich mittels Bürgerbegehren einzumischen, wenn die Konzessionsverträge für die Netznutzung in naher Zukunft auslaufen. Wenn das Netz der Kommune gehöre, könne diese auch die Gewinne einfahren und eine demokratische Kontrolle ausüben. Stadtwerke-Mann Bieberbach sieht das nicht ganz so: Die Regulierung durch die Bundesnetzagentur sei "zwar irgendwie durch die Hintertür, aber ausreichend". 

Dass es nicht nur um Energieversorgung geht, sondern auch um die soziale Frage betont am Ende der Veranstaltung Johannes Hengstenberg von co2-online: "Wir brauchen lineare Stromtarife". Damit würde nicht nur ein Anreiz zum Stromsparen gegeben – der Strom würde auch für sozial schwache Haushalte erschwinglich, da bisher der Grundbetrag für alle gleich hoch sei, egal, wie viel man verbrauche. 

Dass die Veranstaltung den Nerv getroffen hat, zeigt am Ende der Redezeit jedenfalls die lange Schlange vor dem Podium: Dicht umlagert müssen die Referenten Überstunden machen. 

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