"Eine gute Plattform für Lobbyarbeit"
von Lili Fuhr,
Referentin für Internationale Politik bei der Heinrich-Böll-Stiftung.
auf dem McPlanet am Samstag 11.30 Uhr:
"Die neuen Knappheiten"!
Raum: H 110
Aus Anlass der deutschen G8-Präsidentschaft in diesem Jahr hatte die Heinrich-Böll-Stiftung einen Dialog ins Leben gerufen, bei dem sich zivilgesellschaftliche RepräsentantInnen und WissenschaftlerInnen aus Nigeria, Kenia, Angola, Kamerun, Tschad, Südafrika, Liberia, China, Indien, Brasilien, Russland, Mexiko, Nordamerika und Europa auf einen gemeinsamen Reformvorschlag verständigt haben. Das wichtigste Ergebnis dieses Dialogs, der im März 2007 in Berlin mit einer Fachtagung begann, ist das Memorandum „Haben und Nichthaben – verantwortungsvolle Ressourcenpolitik im 21. Jahrhundert“.
Das von einer internationalen Expertengruppe verfasste Memorandum analysiert bestehende Initiativen, Standards und Mechanismen der globalen Ressourcenpolitik und formuliert politische Forderungen und Empfehlungen an die G8-Staaten für einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Damit bietet es eine hervorragende internationale Plattform für zukünftige Strategie- und Lobbyarbeit und kann aufgrund seines ausführlichen Kompendiums existierender Standards, Mechanismen und Kampagnen als Handbuch und Capacity Building Werkzeug verwendet werden.
Politisch unterstützt wird das Memorandum von der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, dem US-amerikanischen Investmentbanker und Gründer des Open Society Instituts George Soros, Ed Zwick, dem Regisseur des Films "Blood Diamond", von Peter Eigen, Gründer von Transparency International und Vorsitzender der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) sowie von der Fatal Transactions Campaign.
Die Forderungen des Memorandums richten sich in erster Linie an die Regierungen der G8-Staaten sowie rohstoffmportierender Schwellenländer, denn sie können als Hauptakteure in diesem Sektor Reformen voranbringen und entscheidende Veränderungen herbeiführen.
Gefordert werden:
- Eine kohärente Antwort der internationalen Gemeinschaft auf den Handel mit „Konfiktrohstoffen“, dem ein Verständnis über das Phänomen und den Begriff vorausgehen muss;
- Eine Abkehr vom Paradigma industriellen Holzabbaus in tropischen Regenwäldern, da dies nirgends zu nachhaltiger Entwicklung beigetragen hat sowie eine effektive Bekämpfung des illegalen Holzabbaus und -handels;
- Eine Stärkung der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) und der zivilgesellschaftlichen Publish What You Pay Kampagne für mehr Transparenz in den Einnahmefüssen aus den extraktiven Industrien, dabei eine Einbeziehung von Transparenz in der Vergabe von Konzessionen und bei Verträgen;
- Rigorose Beachtung von Umwelt- und Sozialstandards bei der Finanzierung von Projekten im Rohstoffsektor und eine erneute Prüfung der Empfehlungen des Extractive Industries Review der Weltbank von 2003;
- Die Stärkung der Verantwortung der Regierungen, in denen die großen Rohstoffkonzerne registriert sind, eine Durchsetzung bestehender Regelwerke und Standards durch die nationalen Gesetzgebungen sowie eine Aushandlung globaler Normen auf UN-Ebene für ein level playing feld aller Akteure;
- Die Durchsetzung verbindlicher Regeln für Transparenz und Nachhaltigkeitsstandards im Bankensektor;
- Die Berücksichtigung von Entwicklungsaspekten in allen internationalen/bilateralen Investitionsabkommen mit rohstoffreichen Ländern und eine Erhöhung der Kompetenz der Entwicklungsländer zur Aushandlung fairer und nachhaltiger Rohstoffdeals.
Lilli Fuhr diskutiert unter anderem mit Von Hernandez (Greenpeace Südostasien), João Moraes (Gewerkschaft der ölverarbeitenden Industrie, Rio de Janeiro, Brasilien) und Daniel Mittler (European Climate Foundation)
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