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"Paradigmenwandel im Tourismus notwendig"

scaled_3_182__182_102_400_225_37218_file.de.pic.41.jpg2305474265312.jpgvon Richard Brand,
vom Evangelischen Entwicklungsdienst EED, konkret der EED-Arbeitsstelle "Unternehmensverantwortung und Tourismus" 
auf dem McPlanet am Samstag 11.30 Uhr:
"Fair reisen - für einen Klimawandel im Tourismus!
Raum: H 110

Freiwillige Initiativen der Tourismusindustrie haben die Emissionen bisher kaum reduziert. Tendenziell steigen die tourismusbedingten Emissionen weiter an, denn die Wachstumszahlen im globalen Tourismus sind beachtlich. Prognosen für den Zeitraum von 1995 bis 2020 weisen eine weltweite jährliche Wachstumsrate von durchschnittlich 4,1% aus. Vor allem Fernreisen legen weltweit zu mit Wachstumsraten von über 5,4% jährlich.

Emissionen des internationalen Flug- und Schiffverkehrs unterliegen bisher keinen international verpflichtenden Emissionsreduktionszielen. Bei den Verhandlungen der UN-Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change – UNFCCC) für eine Post 2012-Vereinbarung ist dies aber ein Thema. Konkrete Vorschläge liegen aber noch nicht auf dem Verhandlungstisch.

Eine Studie3, die bei der Internationalen Konferenz zum Thema Klimawandel und Tourismus im Oktober 2007 im schweizerischen Davos präsentiert wurde, erfasst die Hauptemissionen im Tourismus. Nach Einschätzung des Expertenteams trug der internationale Tourismus im Jahr 2005, unter Einbeziehung der drei Sektoren Transport, Unterkunft und Aktivitäten, mit rund 5% zu den globalen Emissionen bei. Dies ist ein erster Anhaltspunkt. Handeln ist notwendig. Wenn die Tourismusindustrie glaubwürdig gesellschaftliche Verantwortung übernehmen will und Unternehmen ihre „Corporate Social Responsibility“ (CSR) mit Leben füllen wollen, sollten sie sich selbst verbindliche Emisionsreduktionsziele zu setzen und Instrumente, Methoden und neue Produkte zu entwickeln, mit denen diese Reduktion erreicht werden kann.

Es braucht Szenarien im Tourismus, bei denen wirtschaftliches Wachstum vom Emissionswachstum abgekoppelt wird. Die Davos Deklaration fordert zwar von der Reisebranche eine Emissionsreduktion ein, doch ist die Erklärung nur eine allgemeine, unverbindliche Handlungsempfehlung ohne verbindliche Zielperspektive. Es braucht klare und wegweisende Selbstverpflichtungen touristischer Unternehmen, in dem sie sich zu definierten CO2-Reduktionen im touristischen Kerngeschäft verpflichten.

Klimaschutz muss integraler Teil der unternehmerischen gesellschaftlichen Verantwortung werden und damit auch ein wichtiges Element der Kundeninformation. Transparenz ist Voraussetzung, daß gut informierte Kunden sich bewusst für einen klimasensiblen Reiseanbieter oder ein klimaschonendes Reiseangebot entscheiden können. Ein Paradigmenwandel im Tourismus ist gefordert. Es braucht kreative und innovative Lösungen für einen zukunftsfähigen Tourismus. 

Dazu sollten eine soziale und ökologische Produktkennzeichnung gehören (Angaben zum Carbon Footprint oder zur Ökobilanz touristischer Produkte), die unternehmerische Selbstverpflichtung für Klimaschutzziele, wobei die Reduktionsziele vor allem durch Effizienzsteigerungen und Einsparungen im Kerngeschäft erreicht werden sollten. Kompensationsmaßnahmen in Entwicklungsländern durch Klimaschutzprojekte sollten nur in sehr begrenztem Umfang und unter strengen Auflagen als Option gelten.

Natürlich geht die Debatte rund um sozial- und umweltverantwortlichen Tourismus weit über die Reduzierung von Emissionen hinaus. Menschen und Landrechte, oder Armutsbekämpfung durch Tourismus werden nicht durch die Berechnung oder Reduktion von Emissionen verwirklicht. Ob Tourismuspolitik, -branche oder die Reisenden selbst – alle sind stets gefordert, Klimaverantwortung im Tourismus zu übernehmen, negative Auswirkungen zu minimieren und einen Beitrag zu einem fairen und zukunftsfähigen Tourismus zu leisten. 

Im Rahmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung trägt die Reisebranche natürlich auch Klimaverantwortung. Dennoch werden reine Freiwilligkeitskonzepte der Tourismuswirtschaft kaum ausreichen. Spätestens dann, wenn freiwillige Selbstverpflichtungen der Reisebranche zum Klimaschutz nicht greifen, sind gesetzliche Regulierungen notwendig. Eine soziale und ökologische Kennzeichnungspflicht für Reiseangebote wäre ein erster Schritt. 

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