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Vegan das Klima retten

Die Tierproduktion verursacht 18 Prozent der weltweiten Treibhausgase. Um diese also um 80 oder 90 Prozent zu reduzieren, muss sich auch in der Landwirtschaft einiges tun. Ist ein völliger Verzicht auf Produkte vom Tier die richtige Antwort?

Vom McPlanet-Kongress Felix Werdermann 

Mit dem Klimawandel erhält auch der Veganismus neuen Aufschwung: Denn ein Verzicht auf Produkte vom Tier könnte dazu beitragen, dass Treibhausgase eingespart werden. Das ist zumindest naheliegend, wenn man bedenkt, dass 18 Prozent der weltweiten Klimagifte der Tierhaltung zu verdanken sind. Doch mit dieser Schlussfolgerung sind nicht alle glücklich. Besonders die Bäuerinnen und Bauern fürchten um ihre Einnahmen.

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Über die Hälfte der Einkommen in der deutschen Landwirtschaft stamme aus der Milch- und Fleischproduktion, erzählt Willi Kampmann vom Deutschen Bauernverband. Und der EU-Lobbyist weiß auch, wie er diese Zahl gegen die vegane Lebensweise ins Felde führt: Die Einkommen könnten nur mit Milch und Fleisch auf dem jetzigen Niveau gehalten werde, "weil die Fläche nicht vermehrbar ist".

Und wenn es schon um Zahlen geht, dann hat Kampmann gleich weitere parat. Im letzten Jahr habe die Landwirtschaft unter dem Strich eine positive Klimabilanz in Höhe von 15 Millionen Tonnen CO2 gehabt - vor allem wegen der Fortwirtschaft, wie er später einräumt. In Deutschland stoße die Landwirtschaft gerade einmal 7,1 Prozent der Klimagase aus. Und sowieso: Im Zeitraum von 1990 bis 2005 sei in den Industrieländern der CO2-Ausstoß der Landwirtschaft um 12 Prozent zurückgegangen, während die Entwicklungsländer um 32 Prozent zugelegt hätten.

Kampmann beherrscht die Zahlen. Doch nicht nur der: Auch im Publikum gibt es Sachverstand. Ein Forscher der Technischen Universität München weist darauf hin, dass sich die 7,1 Prozent, die das Umweltbundesamt veröffentlicht hat, bloß auf das Kohlendioxid beziehen, andere klimarelevanten Gase jedoch nicht beachtet würden. Außerdem blieben die Emissionen unberücksichtigt, die bei der Produktion des Tierfutters entstehen. Die Zahl sei daher "eindeutig zu niedrig" angesetzt. Realistischer sei ein Wert von etwa 13 Prozent, weltweit liege dieser Wert aber noch deutlich höher: Knapp ein Viertel aller Treibhausgase würden durch die Landwirtschaft verursacht.

Global stellt sich die Frage nach dem Fleisch aber etwas anders: Während in Europa gut und gerne auf das ein oder andere Steak verzichtet werden könnte, werden im globalen Süden viele Tiere von armen Menschen gehalten. Darauf weist Susanne Gura hin, freiberufliche Beraterin für internationale Agrarpolitik. Im südlichen Afrika werde mehr als ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts durch die Tierproduktion erwirtschaftet. "Das Potential zur Armutsbekämpfung ist enorm."

In Deutschland hingegen sei eine Umstellung auf weniger Fleisch kein Problem. "Unsere Bauern haben sich immer angepasst an den Bedarf und das sollen sie auch in Zukunft tun." Auch aus gesundheitlichen Gründen sei es sinnvoll, weniger Fleisch zu essen. 

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Mehr Gemüse, weniger Fleisch: Nicht nur gut für die Tiere, sondern auch für Gesundheit und Klima 

Ganz andere Gründe spielen für Erasmus Müller eine Rolle. Der Aktivist vom Tierrechts-Netzwerk Nandu führt aus Überzeugung ein Leben ohne Produkte vom Tier. Dass der Mensch von Natur aus ein Fleischfresser sei, lässt er nicht gelten als Argument. "Das Schöne ist: Wir Menschen können entscheiden, wie wir handeln möchten. Das nennt man Ethik." Zu einer vegane Lebensweise möchte er die Menschen aber auch nicht zwingen. In dieser Hinsicht ähnelt seine Position etwas der Auffassung des Bauern-Lobbyisten Kampmann, der findet, dass zu einer "gesunden und ausgewogenen Ernährung" auch ein Stück Fleisch gehöre. "Ich möchte keinem etwas vorschreiben", sagt Kampmann, woraufhin Müller schlagfertig reagiert: "Außer den Tieren."

Aber der Tierfreund hat auch andere gesellschaftliche Probleme im Blick: Veganismus trage "quasi nebenher" zu einer Lösung des Klimaproblems bei, sagt Müller - oder auch zu einer Verbesserung der Wasserqualität. Neben seinver individuellen Entscheidung für eine vegane Lebensweise, stellt Müller aber auch politische Forderungen: Tierhaltung dürfe nicht weiter subventioniert werden. Bei Milch beispielsweise müsse bislang nicht der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gezahlt werden - anders als bei der veganen Alternative, der Soja-Milch. 

Der Bauernverband will hingegen an der Fleischproduktion festhalten, diese aber klimafreundlicher gestalten. Zum einen sollten die Konsumenten stärker regionale Produkte nachfragen, appelliert Willi Kampmann. Zudem solle die Politik "internationale Nachhaltigkeitsprinzipien" verankern, die dann für alle Bäuerinnen und Bauern weltweit gelten.

Ein härteres Durchgreifen der Politik wünscht sich auch Reinhild Benning von der Umweltorganisation BUND. In Deutschland trage die Landwirtschaft beinahe so viel zum Klimawandel bei wie Auto, Flugzeug und Co. Im Verkehrsbereich gebe es aber schon viele Maßnahmen zur CO2-Reduktion, für die Landwirtschaft fehlten Regulierungen. "Das kann meiner Meinung nach nicht so weitergehen." 

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