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"Die Macht Afrikas ist die Macht der Schwachen"

Nicolas Sarkozy, Lula da Silva, Hugo Chaves oder Angela Merkel? José Bové, Naomi Klein, Mohamend Nasheed oder Bill McKibben! Auch auf dem Gegengipfel gibt es jede Menge Prominenz. Zum Beispiel Vandana Shiva, die den real existierten Sozialismus erneut ausgebrochen glaubt - nur andersrum

Vom alternativen Gegengipfel FLORIAN FRICKE

Die Technik spielt mal wieder verrückt, und die Filmdatei lässt sich einfach nicht starten. Vandana Shiva lässt sich davon überhaupt nicht beeindrucken, sondern handelt pragmatisch. Sie erläutert ausführlich die Thematik des Dokumentarfilms "The Third Pole" und zieht die Fragen aus dem Publikum einfach vor.

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Vandana Shiva (r.) auf dem Podium im Klimaforum. (Fotos: Peter Kristensen, Chris Weimann)

"The Third Pole" - der dritte Pol - ist ein alternativer Ausdruck für den Himalaja, der die Umweltkatastrophe um das Trinkwasserreservat für mehrere hundert Millionen Menschen besser ins öffentliche Bewusstsein bringen soll. Vandana Shiva betont auch den dritten Pol als Symbol für einen dritten Weg, für eine Neuausrichtung von Politik, Wirtschaft und der sozialen Systeme. "Heute hat sich der Kapitalismus in Kommunismus verwandelt und umgekehrt. Will man ein Beispiel anführen für die Diktatur der Unternehmen, braucht man sich nur die Herrschaft von Monsanto über die nordamerikanischen Farmer anschauen. Und die nächste Stufe des Kapitalismus wird gerade in China erreicht."

Vandana Shiva hat den Film begleitend produziert. Bekannt ist sie als Physikerin, Bürgerrechtlerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises. Sie gilt als eine der schillerndsten Persönlichkeiten im Kampf um die Rechte der Frauen und dem Schutz der Umwelt. Nach der Filmvorstellung präsentierte sie ein neues Manifest zur Ernährungssicherheit, das vor allem die biologische Landwirtschaft propagiert. Im Anschluss wird sie vom Publikum gefeiert und ist sofort von Journalisten umringt. Also gibt sie eine spontane Pressekonferenz.

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Das Panel am Sonntagabend auf dem Klimaforum - etwa mit José Bové(3. von links),  der ehemaligen brasilianische Umweltministerin Marina Silva (3. von rechts) und Rebecca Harms (2. von rechts).

Über die Rolle ihres Heimatlandes Indiens auf der Klimakonferenz meint Vandana Shiva, dass sie hoffe, dass der Weg Gandhis fortgeschritten werde, und Indien wieder zu einem Nullemissionsland werde. Ein Großteil des Landes würde praktisch immer noch null Emissionen produzieren, werde aber drangsaliert und terrorisiert. Indien solle eine Vorreiterrolle einnehmen in ökologischer Landwirtschaft. Aber dafür müsse Indien gerechter und friedfertiger werden gerade gegenüber seinen eigenen Bürgern. Die Umweltkrise sei mit der Menschenrechtsfrage eng verknüpft.

Die vielen Selbstmorde unter indischen Kleinbauern lastet sie der industriellen Landwirtschaft an. "Dieselbe Landwirtschaft, die die Emissionen verursacht, tötet unsere Bauern. Die ersten fünf Jahre hat die Regierung es geleugnet. Jetzt tut sie was dagegen, aber viel zu wenig. Ich würde gerne genmanipuliertes Saatgut verbieten, genauso solches, das sich nicht selber reproduziert." Die großen Subventionen für chemische Dünger sollten lieber in die ökologische Landwirtschaft fließen. "Aber heutige Regierungen sind Geiseln der Unternehmen. Das sind keine souveränen Staaten mehr. Sie agieren nur noch, um den Umsätzen der Unternehmen nicht zu schaden. Aber in diesem Punkt sind wir Bürger mächtiger als die Regierungen: wir können den Unternehmen sagen, welche Rolle sie eigentlich in der Gesellschaft spielen." vand-peterkristensen.jpg

Säße sie für Indien in Kopenhagen am Verhandlungstisch, würde sie für ein Verweilen in der G77 eintreten, also der Gruppe der Entwicklungsländer. Eine engere Zusammenarbeit mit den USA heißt sie nicht gut. Sie würde in Fragen des Klimawandels ganz der Wissenschaft folgen und die Dritte Welt nicht als Hauptverantwortlichen sehen. Die Basis der Industriestaaten auf fossilen Rohstoffen sei ein Dinosaurier, der eine Alternative erfordere.

Auf die Frage, ob nicht die afrikanischen Staaten in der G77 zur Zeit das Sagen hätten und ob diese denn bereit wären für eine biologische landwirtschaftliche Revolution, sagte sie: "Wenn die Rockefeller Foundation und die Gates Stiftung nicht Agra - die Allianz für die Grüne Revolution in Afrika - einführen würden, wären viel mehr afrikanische Länder für biologische Lebensmittel eingestellt. Aber sie wenden sich den Kunstdüngern zu, weil aus dieser Ecke das Geld kommt. Die Macht von Afrika ist aber die Macht der Schwachen, die, wie Gandhi es erkannt hat, einfach nein sagen können – so wie es die afrikanischen Staaten in Barcelona und Seattle gemacht haben. Wären die Verhandlungen nur hinter verschlossenen Türen, hätten die afrikanischen Staaten nie den Mut dazu. Den kriegen sie von den Menschen auf den Straßen."

Sie bedauert, dass Barack Obama nicht den biologischen Garten seiner Frau Michelle mit nach Kopenhagen bringt. "Dafür jongliert er mit Zahlen: 4 Prozent Prozent Reduktion, die er als 16 Prozent verkauft. Und noch schlimmer jongliert er mit Politik. Er sagt, dass die USA nicht den UN-Vertrag, also das Kyoto-Protokoll unterzeichnen werden. Im Wahlkampf hat er noch von einem Beitritt gesprochen. Meine Botschaft an ihn ist: tretet dem Vertrag bei und baut ihn aus. Aber demontiert ihn nicht – er ist der einzige internationale gesetzliche Rahmen, der die Verschmutzer zur Kasse bittet, und der ein System bereitstellt, in dem die Wende zu erneuerbaren Energien vollzogen werden kann."

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Es gäbe zwei Maßnahmen um die Klimakatastrophe zu bekämpfen: "Stoppt die Verschmutzung der Atmosphäre. Darum ist die COP 15 so wichtig. Und zweitens: Erkennt, dass wir alle eine Familie sind auf der Erde. Wir müssen denen Schutz geben, die in Elend geraten. Es gibt Versuche, dies zu einer Frage des Sicherheitsrats, der Verteidigung und des Pentagons zu machen. Das wäre der gefährlichste aller Wege."

 

Mehr zum Klimaforum09 gibt es HIER


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