"Herzliche Bitten" von Angela Merkel
Am Morgen hatte die Kanzlerin im Bundestag noch eine Regierungserklärung abgegeben. Nur Stunden später betritt sie selbst das Parkett des Weltklimagipfels und hält wieder eine Rede: Drei Minuten für das Klima. 118 Staats- und Regierungschefs haben oder werden es ihr noch gleichtun; vor Kameras flanieren, Gala dinnieren mit der dänischen Königin, offiziell und inoffiziell verhandeln und sogar eine Abschlusserklärung beschließen. Und das alles bis Freitagnachmittag.
Vom Konferenzparkett SARAH MESSINA
Ein straffes Programm: Seit 10 Uhr morgens bis in den späten Abend werden im Bella Center Reden gehalten. Drei Minuten lang sprechen die führenden Köpfe der Länder von Albanien bis Zimbabwe im Plenum. Wenn die Staatschefs auf dem Gala-Dinner mit der Vorspeise beginnen, sind die Minister dran. Und wenn die Präsidenten und Premiers beim Absacker zusammenstehen, reden die Minister noch immer: "Ab Mitternacht" heißt der letzte Tagesordnungpunkt auf dem täglichen Programm. "Das wird eine lange Nacht", sagt eine Mitarbeiterin des UN-Klimasekretariats, die auf einem der polizeibewachten Höfe an ihrer Zigarette zieht und friert: In Kopenhagen liegt seit zwei Tagen Schnee, aber das registriert der Weltklimagipfel nur aus den Augenwinkeln.
Die Zeit drängt: Ob man es schaffen kann, "die Lösung für das Zukunftsthema" innerhalb der nächsten Stunden zu finden, fragt sich auch Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede. Um dann zu appellieren, man müsse in diesen verbleibenden Stunden "wirklich ganz konsequent an einer Lösung" arbeiten. Deutschland, ein "klassisches" Industrieland, und die Europäische Union seien bereit, Emissionen beträchtlich zu reduzieren und würden "mit offenen Armen diesen Verhandlungsprozess vorantreiben".
Wenn die anderen nur folgen: Bei der Festlegung der Zwei-Grad-Marke, einer Emissionsreduktion der Industrienationen von insgesamt 25 Prozent gegenüber 1990 ("so wie es die Wissenschaft sagt"), der Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung und Klimaschutz in Entwicklunsländern, zu der Deutschland einen fairen Beitrag leisten werde. Und wenn nicht zuletzt auch die Schwellenländer "Stück für Stück" verbindliche Verpflichtungen übernehmen.
Wonderful Merkel: Kriegerin fürs Klima
UN-Klimasekretariatschef Yvo de Boer hatte die deutsche Kanzlerin noch am frühen Nachmittag als "echte Kriegerin für das Klima" bezeichnet: 1995 war Merkel als deutsche Umweltministerin die Gastgeberin der ersten UN-Klimakonferenz. Das "Berliner Mandat" der COP1 war der Grundstein für das 1997 beschlossene Kyoto-Protokoll. Bei einem Journalisten aus den Vereinigten Staaten ruft das Begeisterung hervor: "Wonderful", so eine Kanzlerin zu haben.
Nur Stunden vor Ende des entscheidenden Weltklimagipfels hat Kanzlerin Angela Merkel in Kopenhagen nun nicht mehr viel Neues zu erzählen. Stattdessen beinhaltet die blasse Rede der Klimakanzlerin zweimal die "herzlichen Bitte", "zusammen" an einem Klimaabkommen zu arbeiten und "zusammen" ein Paket zu schnüren, mit dem man am Freitag vor die Weltöffentlichkeit treten könne: "Wir werden das hier nicht juristisch ausformen können. Aber wir werden sagen können: Wir haben die Weichen dafür gestellt, dass ein neues Rahmenabkommen geschaffen werden kann", sagte Merkel.
"Zusammen" nach Kopenhagen
Zwei Ghanaer, die in der Konferenzhalle Pause machen und die Reden der Staats- und Regierungschefs über den Bildschirm verfolgen, recken die Köpfe, als sich schon wenig später ein Knäuel Kameras und Mikrophone an ihnen vorbeidrängt: "Wer ist das?" - "Ah, es ist Merkel. Die deutsche Kanzlerin. Und der Franzose, Sarkozy". Die Kanzlerin und der französische Präsident hatten das Plenum "zusammen" verlassen.
Man kann über den französischen Präsidenten sagen was man will: Aber er kann Reden halten. Sarkozy kam in seinen drei Minuten auf den Punkt: Alle Elemente des Kompromisses seien bekannt, ein Abkommen müsse innerhalb der nächsten sechs Montage beschlussfähig gemacht werden. Zu den Vereinigten Staaten stellte er nüchtern fest: "Die USA müssen mehr anbieten, als sie bis jetzt auf den Tisch gelegt haben". Angela Merkel fand zu diesem Thema lediglich ein ein lobendes Wort: US-Vizekanzlerin und Außenministerin Hillary Clinton hatte zuvor in Kopenhagen erklärt, dass sich die USA an langfristigen Klimahilfen beteiligen würden.
Und damit die Klimabühne für den US-Präsidenten bereitet: Barack Obama hat seine drei Minuten erst noch, und zwar zur besten Sendezeit auf dem Parkett des Weltklimagipfels: am Freitag Nachmittag.
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