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"Erneuerbare stärker bei der Wärme nutzen"

thumb_tanja_gnne-kl_chr.jpgAls im September Schwarz-Gelb die Wahl gewonnen hatte, galt Tanja Gönner als eine aussichtsreiche Kandidatin für das Amt der Bundesumweltministerin. Aus gutem Grund: Daheim in Baden-Württemberg hatte sie sich seit 2005 als Umweltministerin mit ehrgeizigen Klimagesetzen einen Namen gemacht; so ist das Ländle führend bei der Nutzung Erneuerbare Energien im Heizungsbereich. Nachfolger von Sigmar Gabriel wurde schließlich Gönners Parteifreund Norbert Röttgen - der nun auch in Kopenhagen eine wichtige Rolle spielt. Die 40-Jährige ist trotzdem zum Klimagipfel gefahren. Dort traf wir-klimaretter.de sie zum Interview

 

Frau Ministerin, Sie waren schon bei der letzten Klimakonferenz in Posen. Was ist in Kopenhagen anders?

Hier ist es um vieles größer und hektischer. Posen war eine Zwischenkonferenz, aber hier ist klar: Als Ergebnis sollten die Grundlagen für einen neuen Vertrag stehen.

Bislang sieht es nicht nach einer Einigung aus. Entwicklungsländer haben zwischenzeitlich das Verhandlungsparkett verlassen, die Inselstaaten einen eigenen Entwurf vorgelegt, China und USA streiten sich. Haben Sie noch Hoffnung?

Das gehört zu den Verhandlungen. Ich bin nach wie vor optimistisch, dass das Zwei-Grad-Ziel festgeschrieben und Reduktionsverpflichtungen bis 2020 beschlossen werden können. In Kopenhagen geht es um den kleinsten gemeinsamen Nenner, weil Entscheidungen auf einer UN-Konferenz nur einstimmig gefällt werden können. Aus der Mathematik wissen wir, dass der kleinste gemeinsame Nenner immer auch Abstriche bedeuten kann.

Apropos Abstriche: Das Umweltbundesamt sagt, dass Deutschland mit den bislang beschlossenen Maßnahmen sein Klimaziel von minus 40 Prozent nicht erreicht wird. Wird die CDU nachbessern?

Im Koalitionsvertrag bekennen wir uns ohne Bedingung zum 40-Prozent-Ziel. Wir sollten aber erst noch die Ergebnisse der Kopenhagen-Konferenz abwarten. Danach werden wir beraten, welche Instrumente wir schärfen müssen. Ich bin der Meinung, dass in Deutschland vor allem erneuerbare Wärme stärker genutzt werden sollte.

Sie haben in Baden-Württemberg ein Erneuerbare-Wärme-Gesetz verabschiedet. Warum gelingt es nicht, das auf Bundesebene zu übertragen?

Es gibt regionale Unterschiede. Einige Baupolitiker tun sich schwer mit Regelungen, weil sie den Menschen nichts vorschreiben wollen. Ich sehe das nicht so kritisch, wenn gleichzeitig die Förderprogramme erhalten und so die Hausbesitzer finanziell unterstützt werden. Ich freue mich, dass das Gesetz in wenigen Tagen in Kraft tritt. Dann können wir beweisen, dass es funktioniert.

Bei der erneuerbaren Stromerzeugung ist Ihr Bundesland hingegen deutsches Schlusslicht. Zumindest, wenn man die große Wasserkraft nicht mitrechnet.

Ich halte es nicht für gerechtfertigt, große Wasserkraftwerke abzuziehen. Dann müsste in Norddeutschland die Off-shore-Windkraft rausgerechnet werden. Bei der Primärenergie haben wir einen Erneuerbaren-Anteil von neun Prozent, das ist über dem bundesweiten Durchschnitt.

Aber die Potentiale der Wasserkraft sind weitestgehend ausgeschöpft. Wie will Baden-Württemberg die Erneuerbaren ausbauen?

Wir werden auch in Zukunft nicht zum Windland werden. Stattdessen werden wir sehr stark auf Photovoltaik und Biomasse setzen. Hoffnung setzen wir bei allen Schwierigkeiten auch in die tiefe Geothermie: Da wird diese Woche in Bruchsal das landesweit erste Kraftwerk in Betrieb genommen.

Der Energiekonzern EnBW ist vor wenigen Tagen aus dem emsländischen Kohlekraftwerksprojekt Dörpen ausgestiegen. Sollten neue Kohlekraftwerke verboten werden?

Ich bin kein großer Freund von Verboten. Außerdem glaube ich, dass sich das Thema durch den Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten weitgehend erledigen wird. Die Betreiber müssen dann nämlich für ihre Emissionen zahlen.

Neue Kohlekraftwerke stehen 40 Jahre und zementieren damit einen hohen CO2-Ausstoß. Wäre es da sinnvoll, Atomkraftwerke länger laufen zu lassen?

Die Atomkraft kann eine Brückentechnologie sein. Im Koalitionsvertrag steht aber auch, dass es keine bedingungslose Laufzeitverlängerung geben wird.

Worauf müssen sich die Betreiber der Atomkraftwerke einstellen?

Es wird keine Geschenke geben. Aber man ist dabei gut beraten, nicht alles vorher auf den Tisch zu legen. Sonst ist der Partner, mit dem man verhandeln will, immer in der Lage, sich darauf einzustellen.

Wenn Atomkraft eine Brückentechnologie ist, wann geht dann das letzte AKW vom Netz?

Ich lasse mich nicht auf Jahreszahlen ein. Letztlich ist das eine Frage des Energiekonzepts, das im nächsten Jahr vorgelegt werden soll, und eine Frage der Anlagensicherheit.

Ist auch vorstellbar, dass die Laufzeiten in diesem Konzept gar nicht verlängert werden?

Das kann ich mir nicht vorstellen.

Interview: Nick Reimer und Felix Werdermann

Foto: C. Weimann 

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