"Green News" aus dem fernen Osten

DAS PORTRÄT: EINE VON 16.000
Heute: Yoranda Yuan, 30, chinesische Umweltjournalistin bei der Wochenzeitschrift Southern weekly
Sie hat nur wenig Zeit: "15 Minuten", sagt sie. Man könnte meinen, sie gehört zu den vielbeschäftigten Verhandlern auf der Klimakonferenz. Doch Yoranda Yuan ist Journalistin. Sie arbeitet im riesigen Medienzentrum, hier sitzen hunderte Journalisten in einem Großraumbüro mit der Fläche etwa eines Fußballfelds. Unter dem Licht der hellen Leuchtstoffröhren hauen hier Print-Journalisten rund um die Uhr in die Tasten.
Zum Gespräch setzt sich Yuan lieber auf das Sofa in der Lounge nebenan. Hier ist es etwas ruhiger und sie kann erzählen: Von den chinesischen Klimaschutzanstrengungen, von den Chinesen, die unter dem Klimawandel besonders leiden und warum China ein Entwicklungsland ist. "Zehn Millionen Menschen leiden Hunger", sagt sie. Im Westen würden viele Bauern ihr Land verlassen, "der Temperaturanstieg verursacht intensive Dürren".
Das sei aber nicht das einzige Problem. Hagel, Schneefall im Oktober und eine absaufende Millionenstadt: Shanghai, die zweitgrößte Stadt Chinas liegt im Osten Chinas - direkt an der Küste. In ein paar Jahrzehnten wird sie unter dem Meeresspiegel liegen, hat die chinesische Sektion der Umweltstiftung WWF ausgerechnet.
Yuan weiß es, denn sie ist Umweltjournalistin bei der Wochenzeitschrift Southern weekly. Sie arbeitet im Ressort "green news", vier von sechzehn Seiten widmen sich Themen rund um den Umweltschutz. Seit der Klimakonferenz in Bali vor zwei Jahren, sagt Yuan, spiele Klimaschutz eine immer größere Rolle. "Seit Bali haben wir diese riesige Dringlichkeit erkannt", sagt sie.
Und dann schwärmt sie vom Klimaschutz der chinesischen Regierung: "Wenn Sie nach China fahren, werden sie viele Umweltprogramme sehen." Inzwischen habe die chinesische Wirtschaft bei der Windkraft eine weltweite Führungsrolle, national seien Emissionsminderungsziele vorgesehen - wenn auch auf freiwilliger Basis - und außerdem führe China in anderen afrikanischen Ländern Umweltprojekte durch. Man könnte fast meinen, Yuan gehöre zur offiziellen chinesischen Delegation - auch dann, wenn sie über Industrie- und Entwicklungsländer spricht. "Wir haben die Bali-Roadmap", sagt sie, und darin sei nun mal festgehalten, dass vor allem die Industriestaaten für die hohe Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre verantwortlich seien. Auch die Bezeichnung "Schwellenland" lässt sie nicht durchgehen, China gehöre zu den Entwicklungsländern.
Und mit denen setze sich das Land hier in Kopenhagen auch für ein ambitioniertes Klimaabkommen ein - zum Beispiel als die Entwicklungsländer am Montag das Verhandlungsparkett verlassen haben. Trägt das nicht eher dazu bei, dass eine Einigung in noch weitere Ferne rückt? "Es ist eine Art Protest", sagt Yuan, letztlich trage das zu einem fairen und ambitionierten Abkommen bei.
Können andere Teilnehmer der Konferenz die chinesische Position verstehen? "Wir brauchen mehr Werbung", meint sie, oft würde China immer noch als größter Emittent gesehen, dabei aber vergessen, dass auch 1,3 Milliarden Menschen in dem Land leben. Das bevölkerungsreichste Land ist auch im Medienzentrum am stärksten vertreten. Über 100 chinesische Journalisten berichten aus Kopenhagen. Und auch Yoranda Yuan muss weiterarbeiten, die nächste Pressekonferenz wartet schon.
FELIX WERDERMANN
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