Der Schuldenstand von "madre tierra"
DAS PORTRÄT: EINE VON 16.000
Heute: Angelica Sarzuri Gutiérrez, 42, Politiaktivistin aus den Anden und Mitglied der bolivianischen Delegation
Sie ist aus dem Urwald gekommen, direkt nach Kopenhagen. Sollten die Gletscher auf dem bolivianischen Hochland schmelzen, dann ist die Versorgung der bolivianischen Millionenstädte La Paz und El Alto auf 4.000 Metern Höhe in Gefahr - Klimawandel hat ganz praktische Folgen, und die will Angelica Sarzuri Gutiérrez der Welt vor Augen zu führen.
"Madre tierra", sagt Angelica Sarzuri Gutiérrez - übersetzt heißt das Mutter Erde - "Madre tierra" also halte keine weitere Verschmutzung aus. "Die Industrieländer haben bereits eine riesige ökologische Schuld, auch in Bolvien, angehäuft. Jetzt müssen sie diese Schuld bezahlen", so die 42-jährige Politaktivistin.
Sarzuri ist eine Vollzeit-Aktivistin bei der Indigenen-Vereinigung CONAMAC, sie vertritt die Interessen der Indio-Völker aus dem bolivianischen Andenhochland. Neben ihrer politischen Betätigung für die Belange der Indigenas hat sie kaum Zeit, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. An Wochenenden und nach Feierabend müssen Kühe gemolken und Lamas zusammengetrieben werden. Auch kleine Kartoffel- und Quinoafelder gehören ihr. Nur mit dieser Subsistenzwirtschaft kann sie überleben. Auch sie ganz persönlich fürchtet sich vor den Auswirkungen des Klimawandels.

Sarzuri macht sich aber auch Sorgen um den Wald. Der sollte auf keinen Fall zu einem Handelsobjekt verkommen, meint sie. "Der Wald darf nicht in den weltweiten Zertifikatehandel eingebunden werden", sagt die Indigenen-Anführerin. Die Menschheit solle vom nachhaltigen Umgang der Urbevölkerung mit dem Wald lernen und keine Geschäfte damit machen. "Wir wollen nicht, dass große Konzerne unseren Wald und unser Land ausbeuten." Das sei auch für das Klima kontraproduktiv: "Das, was Unternehmen aus Industrieländer mit Waldzertifikaten an Emissionen einsparen, stoßen sie zu Hause wieder in die Atmosphäre. So ein Null-Summen-Spiel brauchen wir nicht."
ANTON B. SPERNBERG
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